Wenn Health-Apps Services von Drittanbietern nutzen

  • erstellt am: 04.09.2012
  • von: ursula.kramer

Bisherige Health-App-Tests mit healthon-Fragebogen:  Wir informieren an dieser Stelle über Fragestellungen, die App-Entwickler und App-User interessieren: Wie informiert man über die Dienste, die man als App-Anbieter von Dritten nutzt? Eine Krankenkasse möchte den Nutzen ihrer App für die Versicherten dadurch steigern, dass sie z. B. neben Informationen zur Erreichbarkeit regionaler Niederlassungen, oder einem Verzeichnis mit den häufigsten Fragen von Versicherten an diese Kasse eine Arzt-Suche, einen Pollen-Service für Allergiker und eine ICD-10-Entschlüsselungsrechner integriert.  Was müssen App-User über diese Services wissen? Vorschlag unserer Redaktion: Arztsuche 1. Dieser Service muss als der Service eines Drittanbieters deutlich erkennbar sein, mit einem Hinweise, dass die Arzt-Suche keine Rückschlüsse auf Qualität oder Empfehlung der Ärzte durch die Krankenkasse zulässt. 2. Der Anwender muss bei Bedarf eine Erklärung abrufen können, wie sich die Unterschiede im Umfang oder der Ausgestaltung der Arzt-Einträge (z. B. mit Bild, mit Praxisrundgang und Leistungsprofil) erklären, oder was das bedeutet, wenn ein Arzt auf einer Fokus-Liste verzeichnet ist. Andernfalls zieht er vielleicht falsche Schlüssel - je umfangreicher der Eintrag, je höher die Qualifikation des Arztes? Außerdem muss informiert werden, ob und wie z. B. der Anbieter der Arztsuche die Daten des Nutzers "trackt", also aufzeichnet und auswertet. Pollenservice: Wo ist die Belastung hoch, welche Pollen herrschen vor? Die Kasse hat diesen Service sehr wahrscheinlich von einem Kooperationspartner eingekauft, nutzt die Datenbank eines Drittanbieters, das sollte der Nutzer der App über einen Hinweis angezeigt bekommen. Kann der Nutzer diesen Informationen vertrauen, wenn keine Quelle angegeben ist und wenn er die Aktualität der Daten nicht überprüfen kann, weil außer - heute, gestern, morgen - keine Datumsangaben gemacht werden? Empfehlung der Redaktion: Quelle und das Datum der Information unbedingt ergänzen. ICD-10 Entschlüsselung Wirklich hilfreich wird dieser Service der Krankenkasse, wenn der interessierte Bürger nach Eingabe eines ICD-10 Codes eine Erklärung bekommt, die er verstehen kann. Werden lediglich die medizinischen Fachbegriffe angezeigt, z. B.  in unserer Stichprobe - L03 - Phlegmone und  H65 Nichteitrige Otitis media, muss er  in der Regel ein medizinisches Wörterbuch bemühen, um zu wissen, was sich dahinter verbirgt. Empfehlung: eine App, die sich an gesundheitsinteressierte Nutzer wendet, die keiner medizinischen Fachgruppe angehören, sollte medizinische Fremdwörter unbedingt erklären. Auch Hintergrundinformationen zum Codierungssystem ICD-10 wären wünschenswert: Wer nutzt es, warum, was heißt die Abkürzung, wofür steht die 10, wer legt den ICD-10 Schlüssel fest, wer aktualisiert ihn, etc. Damit könnte die Krankenkasse die Qualität ihrer Service-App deutlich verbessern. Mitmachen - für mehr Qualität und Transparenz Jeder, der sich mit dem Thema "Qualität von Gesundheits-Apps" beschäftigt, als Entwickler, User, in Forschung, Lehre oder Praxis ist herzlich willkommen, sich einzubringen. Wie? Am besten beim Testen einer frei wählbaren Gesundheits-App. Danach Feedback geben zum online-Formular und sich an der Diskussion auf diesem Blog beteiligen. Wir freuen uns auf Euch. Vielen Dank!  

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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse von mittlerweile über 10.000 Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...