Vertrauenswürdig: Wie schneiden Pharma-Apps ab?

  • erstellt am: 08.11.2012
  • von: ursula.kramer

Im September 2012 hat die Initiative Präventionspartner die Gesundheits-Apps von Pharmaunternehmen (n = 14) unter die Lupe genommen. Untersucht wurden Apps, die im Apple oder Google Play Store in den Kategorien "Medizin" und "Gesundheit & Fitness" angeboten werden. Wie transparent und vertrauenswürdig sind die gesundheitsbezogenen Informationen, Services oder Tipps? Getestet wurden die Apps mit dem Kriterien-Katalog, der als online-Test für Gesundheits-Apps jedem Entwickler und Nutzer kostenfrei zur Verfügung steht.  Der Test wurde in Zusammenarbeit mit der Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft, Bremen, entwickelt. Hier im Überblick die wichtigsten Ergebnisse: 1. Alle getesten Apps sind offensichtlich werbefrei, d. h. ohne Werbeeinblendungen. 43 Prozent (6 von 14) enthalten Produktinformationen. 2. Aber: Keine der getesten Apps informiert explizit über die Werbe- und Finanzierungspolitik. Ist das denn notwendig? Wir meinen ja, denn ein fehlender Hinweis zur Finanzierung und das Fehlen von Werbeeinblendungen  bedeuten nicht zwangsläufig, dass die gesundheitsbezogenen Informationen frei sind von der werblichen Einflussnahme durch den Anbieter oder nicht benannter Kooperationspartner. Eine konkrete Aussage an gut auffindbarer Stelle, z. B. dem Impressum oder einer "Über die App"-Kategorie, kann für den Nutzer einer App Klarheit  schaffen und ist daher eine Grundforderung des HealthonApp-Ehrenkodex. Vorschlag für Apps mit Produktinformationen: Warum nicht den Hinweis "Anzeige" über einer Produktbeschreibung integrieren?  In Printmedien trennt man auf diese Weise Redaktion und Anzeige für Leser sichtbar ab. 3. Nur eine Minderheit der Apps informiert über Quellen (21%)  und Autoren (43%) der gesundheitsbezogenen Aussagen. Braucht man das als Nutzer? Wir meinen ja, denn mit diesen Angaben ist es möglich, die Aktualität einer Aussage einzuschätzen und im Zweifelsfall auch die Herkunft einer Information zu überprüfen. Unsere Empfehlung: Krankenkassen, Politiker, Arzneimittelhersteller - alle wünschen sich den mündigen, informierten Patient, der eigenverantwortlich Entscheidungen treffen kann und selbst aktiv zur Gesundheitsvorsorge beiträgt. Dazu braucht dieser Patient zunächst eines, nämlich Orientierung, welchen gesundheitsbezogenen Informationen er vertrauen kann. Pharmaunternehmen, die den HealthOnApp-Ehrenkodex in ihren Apps umsetzen, können Bürgern sichtbar Orientierungshilfen geben und damit das Vertrauen in Neue Medien zur Gesundheitsaufklärung stärken.


 


Getestete Pharma-Apps: Meda Pharma Pollenalarm, Dr. Kade RückenFit, Sanofi Aventis PillReminder, Almased, Otsuka Pharma STEPS Tagebuch, Novartis Pollenwarner, Pfizer Rauchfrei durchstarten, Ratiopharm Rückenschule, Rationpharm Pollenradar, Hexal Pollenflugvorhersage, GKS Roche SBK AppzumArzt, UCB Pharma AsthmaCheck, USB RheumaTrack, MIBE Pillenwecker Weitere Testergebnisse im Überblick  

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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse von mittlerweile über 10.000 Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...