Gesundheits-Apps 2012/2013: Zahl verdoppelt, Qualität stagniert

  • Erstellt am: 13.09.2013
  • von: ursula.kramer

Gesundheitsaufklärung und Krankheitsbewältigung durch smarte Alltagshelfer zu verbessern, dieser Trend setzt sich sowohl bei Krankenkassen als auch bei Pharmaunternehmen weiter durch. Innerhalb von nur einem Jahr hat sich die Zahl der Apps  verdoppelt, mit denen sich diese Marktplayer mit gesundheitsbezogenen Informationen und Services an Verbraucher und Patienten richten, App-gestützte Gesundheitsaufklärung und -bildung gewinnt weiter an Bedeutung. "In der bisher größten Datenbank für Gesundheits-Apps in Deutschland befinden sich derzeit 91 Apps, die wir alle in einem strukturierten Testverfahren überprüft haben. Verbraucher können gezielt nach Anwendungsgebieten oder Funktionen suchen, für die sie App-Unterstützung brauchen. Es wird ihnen leicht gemacht, Apps auch im Hinblick auf die Transparenz und Sicherheit der gesundheitsbezogenen Informationen miteinander zu vergleichen" so Dr. Kramer von der Initiative Präventionspartner. Die aktuelle Marktstudie der Initiative Präventionspartner in Zusammenarbeit mit der APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft untersucht insgesamt 38 Krankenkassen und 29 Pharma-Apps nach Anwendungsgebieten, verwendeten Methoden und im Hinblick auf die Transparenz und Qualität ihrer gesundheitsbezogenen Informationen. Hier die Ergebnisse in der Zusammenfassung: Anwendungsgebiete

  • Krankenkassen legen ihren Schwerpunkt auf Gesundheitsvorsorge (55%) und primärpräventive Unterstützungen, Ernährung (18%), Bewegung(29%), Entspannung (21%) sowie Informationen zur allgemeinen Krankheitsbewältigung (37%).
  • Pharmaunternehmen bieten vor allem Hilfestellungen für die Bewältigung von Krankheiten (59%), in der Regel legen sie dabei den Schwerpunkt auf Indikationen, für die sie Arzneimittel anbieten. Sie engagieren sich jedoch auch im Bereich der Vorsorge (28%).

Methoden der Apps

  • Die Pharma-Apps bieten insgesamt eine größere Methodenvielfalt als Kassen-Apps (Methoden pro App: 2,9 vs. 1,9). Grundsätzlich kann eine App in der Regel mehr, als "nur" informieren. Sie hilft bei der Dokumentation (66%/39%), sie erinnert (48%/18%), sie unterstützt den Informationsaustausch zwischen Arzt und Patient (24%/5%), sie ermöglicht z. B. den Versand von Daten, die der Patient mit der App erfasst und als PDF ausgeben und an den Arzt verschicken kann.

Transparenz & Qualität der gesundheitsbezogenen Informationen

  • Angaben zu Werbe- und Finanzierungspolitik finden sich nur sporadisch, auch wenn die Mehrzahl der untersuchten Apps frei ist von offensichtlicher Werbung (Werbebanner, Anzeigen).
  • Angaben zum Datenschutz sind sowohl bei Kassen- als auch Pharma-Apps mehrheitlich nicht vorhanden (66%/59%). Die Anbieter gehen offensichtlich davon aus, dass diese Angaben verzichtbar sind, wenn die Apps selbst keine personenbezogenen Daten erfassen. Dabei vergessen sie, welche weitreichenden Analysemöglichkeiten Smartphones bieten. Verbraucher können zu Recht befürchten, dass Daten ohne ihr Wissen aufgezeichnet und z. B. zu Werbezwecken verkauft werden. Bei jeder Website ist heute eine Datenschutzerklärung, die über die Startseite erreichbar ist, gesetzlich verpflichtend. Für Apps gelten grundsätzlich die gleichen Vorschriften, was viele Anbieter nicht wissen oder leichtfertig ignorieren.
  • Autoren mit medizinischem Sachverstand, überprüfbare, evidenzbasierte Quellen mit einem Datum, das die Aktualität der Information erkennen lässt, das alles sind etablierte Mindesstandards für gesundheitsbezogene Informationen. App-Anbieter berücksichtigen diese Qualitätsstandards kaum: Angaben zu Autoren (10%/5%) und zu Quellen (10%/16%) erhalten Verbraucher nur in sehr wenigen Apps.

Fazit: Vertrauen in die Qualität und Sicherheit von App-gestützten Hilfen für die Gesundheitsvorsorge bzw. Krankheitsbewältigung ist eine wichtige Voraussetzung für die Akzeptanz beim Verbraucher. Anbieter können dieses Vertrauen stärken durch verbesserte Transparenz und die Nutzung etablierter Qualitätsstandards für gesundheitsbezogene Informationen. Sie können dies z B. mit der freiwilligen Selbstverpflichtung zum HealthonApp-Ehrenkodex für App-Nutzer erkennbar kommunizieren, um dafür vom Nutzer mit höheren Downloadzahlen belohnt zu werden. Fragen zur Studie? Interesse am ausführlichen Studienbericht? Sprechen Sie uns an.

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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse von mittlerweile über 10.000 Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...