Diabetes-Apps: Wenig Sensibilität für Datenschutz

  • erstellt am: 30.10.2013
  • von: ursula.kramer

Wer als Diabetiker in Google Play oder im itunes Store smarte Hilfe sucht, um z. B. Messwerte zu dokumentieren und seine Stoffwechseleinstellung zu kontrollieren, wird schnell fündig und hat die Qual der Wahl. Was die kostenlosen, deutschsprachigen Diabetes-Apps können, welche Sicherheit sie bieten, wie sie im Hinblick auf die Vertrauenswürdigkeit abschneiden, hat die Initiative Präventionspartner in einem aktuellen Marktscreening untersucht und dabei transparente Vergleichskriterien zugrunde gelegt. Hier die Ergebnisse in Kürze:


  • Insgesamt sind auf Google Play 15 Apps zum Diabetesmanagement in der Kategorie "Medizin" verfügbar.
  • 13 Apps (87%) sind Dokumenationshilfen, die sich in der Art und Anzahl der Messwerte unterscheiden, die der Nutzer eintragen und visuell darstellen kann.
  • 4 Apps (27 %) bieten darüber hinaus gesundheitsbezogene Informationen zur Aufklärung des Nutzers.
  • Gerade, wenn sich eine App auf Grenzwerte (Blutzuckerwerte) oder Risikofaktoren (Blutfette, Blutdruck, Bauchumfang) bezieht, sind Angaben hilfreich, aus welcher Quelle, z. B. welchen Leitlinien bzw. wissenschaftliche Veröffentlichung diese Daten stammen und wie aktuell diese sind. 1 App der untersuchten Diabetes-Apps klärt darüber auf, welche Quellen sie verwendet hat bzw. welche Autoren die gesundheitsbezogenen Informationen verfasst haben.
  • Nur eine App (7%), die Diabetes-Uhr, entspricht in allen 7  Qualitäts- und Transparenzkriterien dem HealthonApp-Ehrenkodex.
  • In Punkto Datenschutz zeigt die Mehrzahl der App-Anbieter wenig Sensibilität für das Informationsbedürfnis der Anwender: Nur 2 Apps (13%) machen Angaben, ob und wie sie personenbezogenen Daten erheben und ob sie z. B. die Nutzungsdaten aufzeichnen und an Dritte "verkaufen".

Patienten und Angehörige suchen eine Diabetes-App in der Regel nach ihrem Funktionsumfang aus: "Kann die App das, was ich brauche, bietet sie das, was für mein Diabetesmanagement wichtig ist?" Im digitalen Zeitalter lohnt sich allerdings auch ein Blick darauf, ob eine App die Privatsphare Ihrer Nutzer berücksichtigt, d. h. welche Berechtigungen sie möglicherweise ungerechtfertigt einholt. Auch die Vertrauenswürdigkeit der gesundheitsbezogenen Informationen lässt sich anhand einiger weniger Kriterien relativ einfach überprüfen.


 Übersicht Diabetes-Apps Oktober 2013Übersicht Diabetes-Apps nach Methoden


Ein ausführlicher Vergleich mit allen Details zu den 15 getesteten Diabetes-Apps steht Ihnen hier als Download (PDF) kostenlos  zur Verfügung. Stand 30.10.2013. Ein Service der Initiative Präventionspartner. Diabetes-Apps im Vergleich-Oktober 2013


Über 100 weitere Gesundheits-Apps im Test


Inzwischen wurden über 100 Gesundheits-Apps im Hinblick auf Qualität- und Transparenz der gesundheitsbezogenen Informationen überprüft.  Verbraucher können über zahlreiche Filterfunktionen die gewünschte App finden: z. B. Für welche Krankheit suchen sie ein App? Was soll sie können: erinnern, dokumentieren, informieren? Wie schneidet sie im Hinblick auf Qualität, Datenschutz etc. ab. Referenzdatenbank Diabetes-Apps

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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse vieler tausender Gesundheits-Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...