Prostata-Check per App: Chance für bessere Vorsorge?

  • erstellt am: 05.03.2015
  • von: ursula.kramer

Bessere Früherkennung von Prostatakrebs dank smarter Unterstützung? Was steckt hinter dem neuen, kostenpflichtigen Angebot, das die Schweizer Stiftung Prostatakrebsforschung seit kurzem über Google Play und iTunes in sechs Sprachen anbietet?

Vorweg: Die App ist, anders als man das vielleicht vermuten könnte, kein Medizinprodukt, d. h. sie dient laut Hersteller ausdrücklich nicht zur Früherkennung von Prostatakrebs, sondern kalkuliert lediglich das individuelle Prostatakrebsrisiko, wobei der Anbieter keine Haftung für die Richtigkeit der Ergebnisse übernimmt.

Wie funktioniert die App?

  • Anhand des PSA-Wertes (PSA = Prostataspezfisiches Antigen), des Alters, des familiiären Krebsrisikos sowie des Prostata Volumens errechnet die App die Wahrscheinlichkeit, Prostatakrebs zu entwickeln. Der Berechnung liegen nach Angaben des Herstellers Studiendaten von über 10.000 Männern zugrunde, die über 14 Jahre im deutschsprachigen Raum beobachtet wurden.

Zielgruppe der App sind zum einen Ärzte, zum anderen aber auch interessierte Verbraucher. Die App wirbt damit, dass sich das Vorsorgeintervall für die jährliche Prostatauntersuchung durch die Hinweise des Prostatachecks auf bis zu 7 Jahren verlängern lässt, nämlich dann, wenn kein besonderes Risiko vorliegt. Umgekehrt sollen Männer mit erhöhtem Risiko engmaschiger kontrolliert werden können, um entsprechende therapeutische Schritte frühzeitig einleiten zu können.

  • Das Plus der App: Das Thema Prostatakrebs-Früherkennung gelangt in die App-Stores, wo die große Zielgruppe der technikaffinen Männern erreicht werden kann.
  • Das Manko der App: Männer, die vielleicht noch nie bei der Vorsorgeuntersuchungen waren und sich von der App evtl. erhoffen, sich diese unliebsame Untersuchung zu ersparen, werden enttäuscht. Denn voraussichtlich hat keiner dieser Vorsorgemuffel den eigenen PSA-Wert (Prostataspezifisches Antigen) oder das Prostatavolumen parat, um den Test durchführen zu können. Diese Daten können beim Arztbesuch erhoben werden. Möglicherweise wird der ein oder andere durch die neue App dazu motiviert, diesen PSA-Test beim Arzt auf eigene Kosten als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) durchzuführen?

Wichtig: Diese App kann ie Vorsorgeuntersuchung beim Arzt nicht ersetzen. Sie kann allenfalls als Hilfestellung dienen, um die vom Arzt erhobenen, medizinischen Daten zu interpretieren, um so Rückschlüsse zu ziehen auf das individuelle Risiko.

ProstateCheck-App berechnet persönliche Prostatagesundheit in Kürze

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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse von mittlerweile über 10.000 Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...