Bewertungsplattform für Health-Apps: Ja, bitte!

  • Erstellt am: 07.10.2015
  • von: ursula.kramer

Das Angebot an Gesundheits-Apps wächst seit Jahren sehr dynamisch (1). Drei Viertel dieser Apps bleiben ohne Bewertungen oder Nutzerkommentare, ein Indiz dafür, dass sie kaum oder gar nicht genutzt werden (2).  Auf der Suche nach einer hilfreichen Health-App stehen Verbraucher daher vor der großen Herausforderung, die Spreu vom Weizen zu trennen und das Dickicht des App-Dschungels auf eigene Faust zu durchkämpfen (3). Die Vertrauenswürdigkeit und die Sicherheit der Angebote selbst einzuschätzen, ist schwierig.


Abhilfe könnte eine Informations- und Bewertungsplattform leisten, auf der z. B. geprüfte Gesundheits-Apps gesucht werden können, oder auf der eine Checkliste bereit gestellt wird, mit der jeder Verbraucher Gesundheits-App selbst in Punkto Risikopotential und Vertrauenswürdigkeit einschätzen kann. Ob das die Nutzer, Anbieter und Entwickler von Health-Apps ebenso sehen, d. h. ob sie eine unabhängige Informations- und Bewertungsplattform als wichtig erachten und welche Informationen oder Angebote sie sich wünschen, darauf wollte die Initiative Präventionspartner, die mit HealthOn die derzeit größte Datenbank mit getesten, deutschsprachingen Gesundheits-Apps bietet, Anworten finden. In der Online-Studie „QUO VAKIS Health-Apps“ wurden die Teilnehmer auch dazu befragt, welches Finanzierungsmodell und welche Kooperationspartner sie für geeignet halten, damit die Plattform unabhängig arbeiten kann und eine breite Akzeptanz bei Verbrauchern und Patienten sowie bei allen relevanten Akteuren der Gesundheitswirtschaft findet.


An der Online-Befragung „QUO VAKIS Health-Apps?“ - Akronym für „Qualität in Health-Apps optimieren, validieren, kommunizieren, initiieren und Nutzer und Anbieter sensibilisieren“, haben sich im Zeitraum von Mai 2015 bis Ende September 2015 Verbraucher und Patienten (VP), Vertreter von Krankenkassen (KK) und Arzneimittelhersteller (AM) sowie App-Entwickler (AE) beteiligt. Hier vorab die wesentlichen Ergebnisse aus dem Abschlussbericht:


  • Notwendigkeit: Alle befragten Teilnehmer (n= 262) erachten eine unabhängige Info-, Bewertungs- und Wissensplattform für Health-Apps als wichtig (Skala von 1= unwichtig, bis 5= sehr wichtig).
    • Pharmaunternehmen (4,5), Krankenkassen (3,9) und App-Entwickler (3,9) schätzen die Wichtigkeit tendenziell höher ein, als die Subgruppe der Verbraucher, die Gesundheits-Apps bereits nutzt (3,5) bzw. die Gesamtgruppe aller Verbraucher (3,2).
  • Leistungsangebot der Plattform: Folgenden Angebote geben die Befragten einen hohen Stellenwert:
    • frei zugängliche Datenbank mit getesteten Health-Apps
    • regelmäßige, vergleichende Übersichten getesteter Health-Apps
    • regelmäßige Marktanalysen zur Qualität von Health-Apps
  • Als bevorzugte Förderpartner einer Plattform für die Testung bzw. Marktanalyse von Health-Apps sehen alle befragten Gruppen mehrheitlich die Universitäten.
    • Die Mehrheit der Befragten mit Ausnahme der Pharmavertreter, sieht an zweiter Stelle die Krankenkassen.
    • Im Gegensatz dazu werden nach der Einschätzung der Befragten weder die Pharma- und Medizintechnik-Industrie, noch die Health-Startups als Förderpartner präferiert. Auch ärztliche Selbstverwaltungsorgane werden lediglich von den App-Entwicklern als bevorzugte Förderpartner gesehen.
  • Bevorzugte Finanzierungsform: Die Mehrheit aller befragten Gruppen (VP 68%; KK 78%; AH 67%; AE 57%) sieht primär öffentliche Fördermittel als geeignete Finanzierung.
    • Arzneimittelhersteller können sich ebenso eine Finanzierung über Jahresbeiträge von Fördermitgliedern vorstellen (67%).
    • über die Hälfte der Nutzer von Gesundheits-Apps (56%) sehen auch die Umsatzerlöse aus dem Verkauf eines Qualitätssiegels als mögliche Finanzierungsquelle.

Zwei Drittel der befragten Verbraucher nutzen Gesundheits-Apps (63%), die meisten von ihnen (69%) haben zwischen 1 bis 3 Gesundheits-Apps auf ihrem Smartphone installiert. Etwa ein Drittel der Verbraucher hat einen Bezug zur Gesundheitswirtschaft durch Studium oder Arbeitsplatz.

Zwei Drittel der befragten Krankenkassen (67%) bzw. ein Fünftel der Arzneimittelhersteller (22%) bietet bereits Gesundheits-Apps an.


Fazit:


Sowohl für den Großteil der befragten Verbraucher (63%) als auch für die befragten Krankenkassen (67%) und Arzneimittelhersteller (22%) haben Gesundheits-Apps einen beachtlichen Stellenwert erlangt, d. h. sie werden genutzt bzw. ergänzen als neue Bausteine das Angebotsspektrum von Krankenkassen und Pharmaunternehmen. Eine unabhängige Informations-, Bewertungs- und Wissensplattform für Health-Apps in Deutschland wird sowohl von Nutzern als auch von Anbietern von Health-Apps als notwendig eingeschätzt. Als Partner einer solchen unabhängigen Plattform sehen die Befragten in erster Linie Universitäten und Krankenkassen. Öffentliche Finanzmittel, Fördergelder von Krankenkassen und Pharmaunternehmen sowie Umsatzerlöse aus dem Verkauf eines Qualitätssiegels an App-Anbieter werden als akzeptable Formen der Finanzierung einer unabhängigen Informations- und Bewertungsplattform für Health-Apps eingeschätzt.


  1. Bredenkamp, Lucht, Boeker, Kramer. Gesundheits- und Versorungs-Apps. Hintergründe zur deren Entwicklung und Einsatz. Universitätsklinikum Freiburg, April 2015.  /tags/tk-app-studie
  2. Dehling T, Gao F, Schneider S, Sunyaev A. Exploring the Far Side of Mobile Health: Information Security and Privacy of Mobile Health Apps on iOS and Android. JMIR mHealth uHealth 2015;3(1):e8 DOI: 10.2196/mhealth.3672
  3. Kramer U. et al (2015). GAPP study: Health Apps for information, prevention and patient support. Assessment of perceived risks, chances, hurdles and effective measures to realize future potential for healthcare system. European Commission. Summary report Consultation Green Paper on Mobile Health. Contributions from Organizations F to M. p 255-276. https://ec.europa.eu/digital-agenda/en/news/summary-report-public-consultation-green-paper-mobile-health

QUO VAKIS Health-Apps?


 

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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse von mittlerweile über 10.000 Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...