Bewertungsskala für Health-Apps: Jetzt auch für Endverbraucher

  • erstellt am: 08.08.2016
  • von: ursula.kramer

Ein Jahr nach Veröffentlichung der Rating Skala "MARS" zur Einschätzung der Qualität von Gesundheits-Apps haben Forscher der Universität Queensland auch eine Variante der Skala zur Nutzung durch Endverbraucher entwickelt und in einer ersten Pilotstudie validiert (1).

Ein Kriterienkatalog, mit dem sich vorhersagen lässt, wie gut Nutzer eine Gesundheits-App bewerten, ist für Anbieter und Entwickler von Health-Apps von großem Interesse. Mit der Mobile App Rating Scale (MARS) kommen unterschiedliche Tester offenbar zu vergleichbaren Einschätzungen (2). Bisheriges Manko: Endverbraucher ohne spezifisches Hintergrundwissen auf dem Gebiet eHealth konnten die Skala bisher nicht nutzen. Deshalb wurde das Wording vereinfacht. Außerdem wurden von den insgesamt 23 Fragen drei gestrichen, die einen speziellen Fachhintergrund erfordern.
Die Qualität einer App können Nutzer mit 20 Fragen auf insgesamt vier Ebenen einschätzen:

  • Interaktivität der App, Individualisierung und Grad der Einbeziehung des Nutzers und seines sozialen Umfeldes - (Engagement, 5 Fragen)
  • Funktionalitäten der App, Bedienbarkeit & Einfachheit der Nutzung (Funktionalität, 4 Fragen)
  • Ansprechende Aufmachung der App, visuelle Bildwelt, die gefällt und inutitive Bedienbarkeit ermöglicht (Aesthetics, 3 Fragen)
  • Qualität und Aufmachung der Informationen, Glaubwürdigkeit der Quellen (Information, 4 Fragen)

Die Einschätzung des Nutzers auf diesen vier verschiedenen Bewertungsdimensionen einer App fließt in das subjektive Gesamturteil ein, und entscheidet darüber, ob eine App weiterempfohlen wird, ob der Nutzer sie gerne und häufig nutzt, ob er bereit ist, dafür zu bezahlen und wie viele Sterne er für die App auf einer Skala von 1 bis 5 vergeben wird. Wie der Nutzer die Wirksamkeit und damit den Nutzen einer Gesundheits-App für sich bewertet, d. h. ob die App als nützlich eingeschätzt wird zur Erreichung der gewünschten Gesundheitsziele, korreliert gut mit den Anworten auf die 20 Fragen der Bewertungsskala.

Fazit: Die Qualität einer Gesundheits-App bestimmen viele Faktoren, deren erfolgreiche Umsetzung letztlich das Zusammenspiel eines multidisziplinären Teams aus Public Health Experten, Usability Spezialisten, App-Designern und App-Entwicklern erfordert. Denn um Nutzen zu stiften und damit letztlich auch wissenschaftlich überprüfbar wirksam sein zu können, muss eine Gesundheit-App

  1. ihre Zielgruppe erreichen - das schaffen die meisten Gesundheits- und Medizin-Apps derzeit nicht. Nur 8,6 bz.w 11,3% der deutschsprachigen Medizin- und Gesundheit-Apps erreichen Downloads von über 50.000 (3)
  2. von dieser Zielgruppe dauerhaft genutzt werden - die allermeisten Apps können das Interesse von Nutzern nur wenige Wochen binden..(4)
  3. ein Unterstützungskonzept bieten, das gesundheitsförderliche Verhaltensänderungen durch Impulse auf verschiedenen Ebenen nachhaltig fördert, indem die App Wissen vermittelt, Bewußtsein schafft (z. B. für Risikofaktoren), neue Verhaltensweisen einübt, die dauerhafte Umsetzung neuer Verhaltensweisen verstärkt z. B. durch Motivation sowie durch Einbeziehung des sozialen Netzwerkes potentieller Unterstützer (Freunde, Angehörige, Therapeuten etc.). - bisher können die meisten Gesundheits-Apps informieren und anleiten (4), Impulse zur Verstetigung neuer Verhaltensweisen bieten nur wenige Apps. Darin liegt die große Herausforderung der kommenden Jahre, damit Gesundheits-Apps die in sie gesetzten Potentiale voll entfalten können.

Quellen:

(1) Stoyanov SR, Hides L, Kavanagh DJ, Wilson H. Development and Validation of the User Version of the Mobile Application Rating Scale (uMARS). Eysenbach G, ed. JMIR mHealth and uHealth. 2016;4(2):e72. doi:10.2196/mhealth.5849.

(2) Stoyanov SR, Hides L, Kavanagh DJ, Zelenko O, Tjondronegoro D, Mani M. Mobile App Rating Scale: A New Tool for Assessing the Quality of Health Mobile Apps. JMIR Mhealth Uhealth 2015;3(1):e27

(3) HealthApp Dashboard. Monatsstatistiken deutschsprachiger Gesundheits- und Medizin-Apps. Juli 2016

(4) Gesundheits- und Versorgungs-Apps: Hintergründe zu deren Entwicklung und Einsatz. Universtität Freiburg, sanawork Gesundheitskommunikation. 6/2015.

Mehr zum Thema auf diesem Blog: Qualität von Health-Apps einschätzen: Neue Bewertungsskala, März 2015, HealthOn

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Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse vieler tausender Gesundheits-Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...