HealthApps: Online-Portale weltweit zur Orientierung für Verbraucher, Patienten & Ärzteschaft

  • erstellt am: 02.11.2016
  • von: ursula.kramer

In Deutschland sind es vor allem die jüngsten (15- bis 19-Jährige) und die ältesten Internetnutzer (60 Jahre und älter), die ihre Gesundheit und Fitness derzeit aktiv mit Apps und Trackern überwachen (31 bzw. 30 Prozent der Befragten) (1). Und es wären sehr wahrscheinlich noch viel mehr, gäbe es da nicht zwei entscheidende Hürden:

  • Das weltweite Angebot in den App-Stores ist riesig und intransparent (2)
  • Verbraucher und Ärzte haben es gleichermaßen schwer, die Qualität der Apps einzuschätzen. Sie wünschen sich Orientierung, um zu erkennen, ob eine Gesundheits-App richtig informiert, ob sie Daten korrekt berechnet oder auswertet und die persönlichen Gesundheitsdaten ihrer Nutzer vor dem Zugriff Unbefugter schützt (3,4).

In den letzten Jahren wurden sowohl in den USA als auch in Europa verschiedene Hilfestellungen entwickelt, um sowohl Verbraucher als auch Health Care Professionals (HCP) über die Qualität von Gesundheits-Apps zu informieren und ihnen die Auffindbarkeit "guter" Gesundheits-Apps zu erleichtern.

App-Portale für Verbraucher und Patienten: Eine große Herausforderung

Was kann man aus den Erfahrungen folgender Projekte lernen, die mittlerweile eingestellt sind bzw. nicht mehr gepflegt werden?

  • Happtique (USA). Verschreibungsplattform für Gesundheits-App. Die Apps wurden auf Basis eines sehr umfassenden Kriterienkatalogs getestet und empfohlen. Der Prüfprozess war extrem zeitaufwändig,trotzdem zeigten sich bei den empfohlenen Apps eklatante Sicherheitsmängel, was das Vertrauen in die Plattform stark beschädigt hat. Der Betrieb der Plattform wurde eingestellt.
  • National Health Service (NHS) Health Apps Library (Großbritannien). Auch bei der Seite des öffentlichen Gesundheitsdienstes mit App-Empfehlungen für Verbraucher gab es Probleme, weil vom NHS empfohlene Apps Daten unbefugt an Dritte weitergeleitet haben. Der Service wurd ausgesetzt. Neue Pläne des NHS sehen vor, dass in 2017 neben Neuerungen in Form eines Online-Symptom-Checkers zur Ersteinschätzung (Triage) von Krankheitssymptomen auch wieder Empfehlungen von Gesundheits-Apps über die Website des NHS verfügbar sein sollen.
  • MyHealth Apps (UK). Die Datenbank nimmt nach eigenen Angaben Gesundheits-Apps auf, die von Selbsthilfeorganisationen empfohlen werden. Auf der Seite finden sich nach 2013 keine neuen App-Einträge, was darauf schließen lässt, dass diese Plattform nicht mehr aktiv gepflegt wird.
  • App-Check ZTG. Insgesamt bietet diese Plattform Bewertungen von 8 Diabetes-Apps. Der letzte App-Eintrag stammt aus dem Jahr 2013, der aktuellste Blogbeitrag von März 2015.

Apps auf Rezept: Verschreibungsplattformen für Ärzte

Durchblick im App-Dschungel für deutschsprachige Verbraucher, Therapeuten und die Gesundheitswirtschaft

  • HealthOn. Über eine Million Mal haben Nutzer auf der Suche nach einer guten Gesundheits-App die Testbericht-Seite der Plattform HealthOn bisher aufgerufen. Jeder, der über 500 Testberichte deutschsprachiger Apps weist sowohl Testdatum als auch App-Version aus. Durch die strukturierte Gliederung der Testberichte lasssen sich Apps miteinander vergleichen. Die Testkriterien orientieren sich an akzeptierten Standards (5,6), Jeder Verbraucher, Patient sowie App-Entwickler können über ein Online-Formular eine Gesundheits-Apps testen und Feedback geben zu den Testkriterien.
    Neben der Testdatenbank bietet die Plattform auch eine Online-Checliste, mit der Nutzer das Risiko einer Gesundheits-App einschätzen können.
    Mit vier Filtern lässt sich die Suche – anders als in den großen App-Stores – eingrenzen:
    • Wofür wird die App gebraucht, d. h. welches Problem bzw. welche Fragestellung soll sie unterstützen (Diabetes, Schmerz, Frauengesundheit, Impfen etc.)?
    • Was soll die App können? Messwerte, Schritte, Befindlichkeit etc. in ein digitales Tagebuch überführen und auswerten, Gesundheitsdaten mit dem Arzt teilen, Wissen vermitteln, an Medikamente erinnern etc. ?
    • Von welchem Anbieter soll die App stammen, z. B. von einer Krankenkasse, einer Selbsthilfeorganisation oder einem Pharmaunternehmen?
    • Wie umfassend soll der Anbieter der App über Qualität und Transparenz der gesundheitsbezogenen Informationen aufklären? Nutzer können sich auf Healthon z. B. gezielt Apps mit Datenschutzerklärung anzeigen lassen oder Apps, die den Autor nennen, der für die fachliche Richtigkeit der gesundheitsbezogenen Inhalte verantwortlich ist. Auch Apps, die über ein Impressum verfügen, lassen sich einfach filtern. Das ist aus Sicht des Verbraucherschutzes besonders relevant, weil sich Datenschutzverletzungen oder Haftungsansprüche nur dann verfolgen lassen, wenn Klarheit über den rechtlich verantwortlichen Anbieter der App herrscht.

Fazit: Es gibt weltweit derzeit wenige Portale, die Verbraucher bei der Suche nach hilfreichen Gesundheits-Apps unterstützen. Über die Anzahl der getesteten Gesundheits-Apps und die verwendeten Testkirterien klärt derzeit lediglich die Plattform Healthon auf. Sie macht die App-Tests über eine systematisch durchsuchbare Datenbank einfach auffindbar.

Was erwarten Verbraucher von einer Plattform für Health-Apps? Die Ergebnisse der Online-Studie Quo Vakis Health-Apps zeigen, dass Unabhängigkeit wichtig ist und Verbraucher öffentliche Institutionen in der Pfllicht sehen, wenn es um die Finanzierung einer unabhängigen Plattform für Gesundheits-Apps geht.
HealthOn wird derzeit privatwirtschaftlich finanziert. Um den Service auch weiterhin unabhängig anbieten zu können, sucht HealthOn Kooperationspartner, die daran interessiert sind, Verbrauchern, Versicherten sowie der Ärzteschaft den Zugang zu qualitätsgesicherten, evidenzbasierten Gesundheits-Apps zu erleichtern.

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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse von mittlerweile über 10.000 Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...