Die "besten" Ernährungs-Apps: Was machen sie besonders gut?

  • erstellt am: 19.06.2017
  • von: ursula.kramer

Keine andere gesundheitsbezogene Fragestellung weckt im Internet (1) mehr Interesse von Verbrauchern, als das Thema Ernährung. Auch unter den 140 deutschsprachigen Top-Gesundheits-Apps mit über 50.000 Downloads ist das Thema Ernährung sehr gut vertreten, bei 52 dieser Top-Apps dreht sich alles mehr oder weniger um dieses Thema, jede Dritte dieser Ernährungs-Apps erreicht über 1 Mio. Downloads, die Spitzenreiter-App sogar mehr al 50 Millionen. Verglichen dazu sind Apps zum Selbtmanagement chronischer Krankheiten oder zur Vorsorge fast schon Ladenhüter (2).

Klar - das Thema Ernährung geht uns alle an, wie sehr, zeigen die Appelle von gesundheitspolitisch Verantwortlichen, die auf der Grundlage des aktuellen Ernährungsberichtes für Deutschland vor den Folgen von Übergewicht warnen: 59 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen sind in Deutschland davon betroffen (3). Experten fordern Vorsorgemaßnahmen, um Übergewicht gar nicht erst entstehen zu lassen und am besten so früh wie möglich gegenzusteuern, z. B. durch die Kontrolle des Gewichtes der Schwangeren. Nahezu jede junge Mutter nutzt ein Smartphone. Was liegt also näher, als diese Zielgruppe - über gesundheitlich benachteiligtern Bevölkerungsschichten hinweg - mit nützlichen Ernährung-Apps zu unterstützen?

HealthOn hat die deutschsprachigen, kostenlosen Top-Ernährungsapps (mehr als 50 T Downloads) im Mai 2017 untersucht. Hier einige Erkenntnisse aus der aktuellen Marktanalyse:

Welche Gesundheitsziele stehen im Vordergrund?

  • Die meisten der untersuchten Ernährungs-Apps (34/52) richten sich an Nutzer, die ihr Körpergewicht verändern wollen, in der Regel möchten sie abnehmen.
  • Auch Apps, mit denen die regelmäßige und ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit unterstützt wird, erfreuen sich großer Beliebtheit (12/53)
  • Nur bei wenigen der Top-Ernährungs-Apps stehen tatsächlich Hilfen für eine gesündere Ernährung im Fokus (3/53), nur eine einzige unter den Top-Ernährungs-Apps greift Müttern beim Thema Babyernährung unter die Arme (1/53)

Funktionen, die die Beliebtheit der Top-Ernährungs-Apps erklären

  • Daten, z. B. Gewicht, BMI, Trinkmenge etc., im zeitlichen Verlauf aufzuzeichnen, ist mit der Hälfte aller Ernährungs-Apps (62%) möglich, aber nur etwa jede vierte Top-Ernährungs-App (27%) lässt sich auch als Ernährungstagebuch nutzen.
  • Etwa jede vierte App gibt dem Nutzer die Möglichkeit, sich im Wettbewerb zu messen - mit anderen, oder aber mit sich selbst, um sich so Ziele zu setzen und sie besser zu erreichen.
  • Jede Dritte (33%) informiert über Nährwertangaben von Lebensmitteln.
  • Jeder vierte App verfügt über Schnittstellen, um Daten mit anderen Gesundheits-Apps (21%) auszutauschen oder um sie mit Wearables (Smartwatches, Fitness-Armbänder) zu verbinden (8%), So können Nutzer Daten aus verschiedenen Gesundheits-Apps zusammführen, um für sich den Überblick zu behalten.
  • Rezeptvorschläge finden sich in etwa jeder fünften App, häufig kann die Anzahl der Rezepte kostenpflichtig erweitert werden.
  • Individuelle Coaching-Begleitung (kostenpflichtig) oder die Unterstützung durch Gleichgesinnte über den Zugang zu einer Community bieten bisher nur einige wenige der Top-Ernährungs-Apps.

Qualität und Transparenz der Top-Ernährungs-Apps: Wer bietet sie an, mit welchem Motiv, wie sind Nutzerdaten geschützt?

  • Vorweg - viele dieser Top-Ernährungs-Apps sind zwar in deutscher Sprache abgefasst, ihre Anbieter vertreiben die App aber weltweit, d. h. es handelt sich häufig um Anbieter mit Sitz im Ausland, so dass diese nicht der Impressumspflicht unterliegen und nicht automatisch den Anforderungen des Bundesdatenschutzgesetz entsprechen.
  • Eine Datenschutzerklärung bietet ohnehin nur etwa jede 5. Top-Ernährungs-App (19%), Angaben zu Quellen der Ernährungempfehlungen (15%) und zu Autoren (6%), die für die fachliche Richtigkeit von Konzept und Inhalt der Ernährungs-Apps stehen, sind sehr lückenhaft.

FAZIT:

Das Interesse an "Ernährungs-Apps" ist groß, bei näherer Betrachtung aber weniger, weil sich Nutzer für eine gesunde, ausgewogene Ernährung interessieren, sondern weil Wassertrinken schön macht und Übergewicht unsexy ist.
Nichtsdestotrotz bietet die theoretische Erreichbarkeit der Bevölkerung mit Ernährungsthemen Chancen - das zeigen Anzahl und Downloads der Diät- und Wassertrinken-Apps. Möglicherweise kommt es auf die Botschaft an: Gesunde Ernährung ist eben nicht nur gesund, sondern sie macht auch attraktiv und leistungsfähig. In Zeiten der Selbstoptimierer lässt sich möglicherweise durch Betonung dieser Ziele mehr erreichen. Dann wären weniger die Ernährungswissenschaftler als vielmehr die Kommunikationsexperten gefragt, damit der Wurm dem Fisch schmeckt und nicht dem Angler!

Detaillierte Analyse der Top-Ernährungs-Apps inkl. Abbildungen und App-Verzeichnis in der Marktanalyse "Ernährungs-Apps 5/2017".

Quellen

  1. Gegoogelt werden vor allem Ernährungsthemen. Bitkom 4/2017.
  2. Gesundheits-Apps: Angebot, Nachfrage, Bedarf. HealthOn 2/2017
  3. 13. DGE-Ernährungsbericht, 02/2017. So dick war Deutschland noch nie.
  4. Marktanalyse "Ernährungs-Apps 5/2017", HealthOn
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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

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Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse von mittlerweile über 10.000 Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...