Gesundheits-Apps: Noch mehr Transparenz für Verbraucher!

  • Erstellt am: 25.07.2017
  • von: ursula.kramer

Es gibt in Deutschland eine Quelle, die jeder kennt, der sich ernsthaft mit dem Thema Gesundheits- und Medizin-Apps beschäftigt: HealthOn. Neben Marktanalysen (1) und Nutzerbefragungen (2) finden sich hier mittlerweile strukturierte Testberichte von über 700 Gesundheits- und Medizin-Apps (3). Viele davon sind sog. Top-Apps mit mehr als 50 Tausend Downloads für deutschsprachige Verbraucher (4). Davon gibt es in Deutschland nicht viele (5), in den Indikationen, die für gesundheitspolitisch Verantwortliche relevant sind, aufgrund hoher Krankheitslast (z. B. Diabetes, Blutdruck, Rückenschmerz) oder hoher Bedeutung für die Primärprävention (Ernährung, Bewegung, Entspannung, Sucht; SGB V § 20) bildet Healthon das Angebot vollständig ab.

Top-Apps auf HealthOn: Verteilung nach Anwendungsgebieten
Alle Gesundheits- und Medizin-Apps sind nach einem transparenten Kriterienkatalog überprüft (6). Das macht auch im Zeitalter der Digitalisierung noch keine Software oder ein intelligenter Algorithmus, der Texte oder Apps automatisiert ausliest. Die Prüfung führt ein interdisziplinäres Team von Healthcare-Experten durch, das eine App unter dem Blickwinkel Technik, Wissenschaft und Kommunikation durchleuchtet. Auch Fragen der Zulassung bzw. Zertifizierung und der Erstattung durch Krankenkassen klären die Healthcare Experten für jede App. Verdichtet werden die Informationen in Form von Testberichten mit einer klaren Struktur (7). Diese Berichte helfen dabei, das Unterstützungsprofil und die Fundiertheit und Vertrauenswürdigkeit einer Gesundheits-App einzuschätzen und unterstützen Verbraucher und Patienten so bei der selbstbestimmten Auswahl von Gesundheits- und Medizin-Apps.
Mit vielen Filter- und Suchmöglichkeiten und führt HealthOn die Suchenden schnell zum Profil der gewünschten Gesundheits-App.

Digital und kostenlos - Das App-Dilemma

Die Unabhängigkeit der Plattform ist ihre Stärke. Anders als die Stiftung Warentest, die für jeden Testbericht und jedes Magazin und auch für die Nutzung ihrer Test-Siegel eine Gebühr erhebt, ist für die Nutzer der größtenteils kostenlosen Gesundheits- und Medizin-Apps ein kostenpflichtiger Testbericht nur schwer vermittelbar. Wenn nicht der App-Nutzer selbst für die Dienstleistung bezahlt, wer dann? Die Akteure im Gesundheitsmarkt, die sich mehr Transparenz im Markt der Gesundheits-Apps wünschen und diese gerade in Wahlkampfzeiten bei berufspolitischen Großevents (8) immer wieder einfordern?

  • Wenn gesundheitliche Aufklärung dank Apps breitere Bevölkerungsschichten besser erreicht als bisher Webseiten, Borschüren und Flyer, dann gehört die Sichtbarmachung guter Angebote und die Entwicklung eigener Apps zur Gesundheitsförderung zum Auftrag, den der Gesetzgeber an eine Behörde deligiert hat, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Sie müsste ein großes Interesse haben, gute Gesundheits-Apps für Bürger auffindbar zu machen, Lücken im Angebot zu entdecken und ggfls. selbst entwickeln zu lassen. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Kenntnis des Marktes.
  • Wenn die Selbstbefähigung zum Management chronischer Erkrankungen und die Motivation zur Therapieadhärenz durch Gesundheits-Apps gestärkt werden, wenn sich mit Companion-Apps die Lebensqualität des Einzelnen verbessern lässt, wenn sich in der Folge die Arbeitsunfähigkeitstage reduzieren, der Arzneimittelverbrauch sinkt oder die Arzneimittelsicherheit verbessert wird, dann müsste das Interesse der Kostenträger (Kranken- und Rentenversicherungen) groß sein, die Angebotstransparenz für Versicherte zu verbessern.

Mahnungen von Verbraucherschützern (9) und kritische Artikel zum Einsatz von Gesundheits-Apps in der Regelversorgung (10) sind wichtig für die Auseinandersetzung mit Risiken von Gesundheits-Apps. Die Diskussion darf aber auf dieser Stufe nicht steckenbleiben. Wer Taktgeber sein oder werden will, muss sich aktiv daran beteiligen, konkrete Wege zu testen, um zu erkennen, was funktioniert und wie die Chancen zum Wohle von Verbrauchern und Patienten zukünftig besser genutzt werden können. Veränderung von Konzepten der Gesundheitsförderung und der Gesundheitsversorgung bedeutet immer auch Umverteilung von Ressourcen. Bei heftigen Widerständen ist daher immer auch die Frage berechtigt, ob Interessenkonflikte vorliegen und mit welchen Maßnahmen sich Blockaden lösen lassen. Antworten aus der Perspektive von Nutzern, Anbietern und Leistungserbringer sind die Basis (2), um gangbare Wege zu erkennen.

FAZIT:

Die Tranparenz über das Angebot an digitalen Gesundheitsförderungs- und Versorgungsangeboten zu verbessern und die selbstbestimmte Auswahl von Gesundheits- und Medizin-Apps zu fördern, ist eine große Herausforderung. Viele Schritte hat HealthOn bereits zurückgelegt und die Expertise auf dem Gebiet Digital Health über die größte Plattform für Gesundheits-Apps (11) in den letzen Jahren millionenfach geteilt. Mit dem 700. Testbericht ist nun ein neuer Meilenstein erreicht. Die Testbericht-Seite von HealthOn bleibt weiterhin - jetzt allerdings nach Anmeldung - für alle Interessenten nutzbar. Krankenkassen die ihren Versicherten auch über die eigenen Kommunikationskanäle (z. B. Website und/od Abrechungs-Apps der Krankenkassen) Zugang geben wollen auf das Wissen über Qualität von Gesundheits-Apps, können dies als Partner von HealthOn zukünftig tun. Auch Ärzteverbände können die Expertenwerkzeuge auf HealthOn nutzen, um z. B. App-Empfehlungslisten mit und für ihre Mitglieder zu entwickeln und diese über die Kommunikationswege ihrer Wahl (z. B. geschlossener Mitgliederbereich von Websites) zur Verfügung zu stellen.
Durch die Mitarbeit als Partner im Steuerungsgremium von HealthOn können Taktgeber die digitalen Transformationsprozesse in der Gesundheitsversorgung aktiv und verantwortlich mitgestalten. Dazu gehören auch alle Aktivitäten zur Förderung der Digital Health Literacy, z. B. zertifizierte Fortbildungen für Therapeuten und Live-Streams für Verbraucher und Patienten, in denen Interviewpartner aus den Reihen der Nutzer, der Patientenverbände, der App-Anbietern und Therapeuten zu Wort kommen und ihre Expertise teilen.

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Quellen:

  1. Marktanalysen zu Pharma-Apps, Ernährungs-Apps, Diabetes-Apps, Schmerz-Apps etc.
  2. GAPP2 Studie - Stakeholderbefragung zu Gesundheits-Apps: Ergebnisreport Juli 2017
  3. HealthOn-Testberichtseite mit über 700 getesteten Gesundheits- und Medizin-Apps, Stand Juli 2017
  4. Top-App-Screening 2/2017
  5. Gesundheits-App Dilemma: Infographik
  6. Gesundheits-Apps testen. Online-Test für App-Entwickler und Online-Test für Verbraucher
  7. Aufbau der HealthOn-Testberichte
  8. Ärztepräsident fordert Qualitätssiegel für Gesundheits-Apps, Bild Mai 2017
  9. Verbraucherzentrale NRW: Gesundheits-Apps für Rücken- und Rheumaleiden: Unkontrollierte Aussagen und Anwendungstipps, Juli 2017
  10. FAZ-Artikel zu Tinnitracks: Macht es piep hör einfach Pop, 18.07.2017
  11. Bewertung von Gesundheits-Apps: Lernen von Portalen weltweit, HealthOn Juni 2017
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