Gesundheits-Apps in Deutschland: Statistiken für Entscheider

  • Erstellt am: 11.10.2017
  • von: ursula.kramer

Die über 700 Gesundheits- und Medizin-Apps, die auf HealthOn gelistet sind, decken das Marktangebot für Verbraucher und Patienten in Deutschland in den aus Public Health Sicht relevanten Anwendungsgebieten (§ 20 SGB V Ernährung, Entspannung, Bewegung, Sucht) sowie den Indikationen mit hoher Krankheitslast (Diabetes, Blutdruck, Schmerz, Psych. Erkrankungen) nahezu vollständig ab. Daher lässt die Auswertung dieser Apps generelle Rückschlüsse zu auf den Status Quo im Hinblick auf Nachfrage, Qualität & Transparenz sowie die Unterstützungsprofile der Apps. Spannend sind dabei die Unterschiede in den drei Anwendungskategorien, denen die getesteten Gesundheits- und Medizin-Apps auf HealthOn primär zugeordnet werden:

  • Apps, die sich an Gesunde richten (Gesund leben)
  • Apps für akut Erkrankte (im Krankheitsfall)
  • Apps für Menschen mit chronischen Erkrankungen (Leben mit Krankheit).

Hier die wichtigsten Erkenntnisse der Auswertung, die ab sofort im Menü über "Statistik" tagesaktuell dargestellt wird:

Wie groß ist die Nachfrage gemessen an den erreichten Downloads?

  • Gesundheits-Apps, die auf die Gesunderhaltung abzielen (Gesund leben), werden deutlich häufiger nachgefragt, als Apps, die zur Krankheitsbewältigung für Patienten angeboten werden. Das Feld führen Ernährungs-Apps an gefolgt von sog. Frauen-Apps (z. B Regelkalender). In den Chronikerindikationen erreichen Blutdruck-Apps die höchste Nachfrage, danach kommen Diabetes-Apps. Insgesamt repräsentieren die von HealthOn analysierten Apps zusammen 286 Millionen Downloads, der Löwenanteil (95%) geht auf Apps zurück, die sich an gesunde Anwender richten, d. h. die Gesundheitsvorsorge bzw. einen gesunden Lebensstil unterstützen wollen.

Wie vollständig sind die Herstellerangaben, um Qualität, Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit der Apps einschätzen zu können?

  • Noch immer bieten wenige Apps eine Datenschutzerklärung, wobei Apps in der Anwendungskategorie "Gesund leben" deutlich schlechter abschneiden (24,5%), als Apps in der Kategorie "Leben mit Krankheit" (43,8%).
  • Angaben zu Autoren und Quellen der Gesundheitsinformationen und Tipps, die eine App vermittelt, sind isngesamt in allen drei Anwendungskategorien sehr lückenhaft, nicht einmal jede fünfte App informiert ihre Nutzer.

Welche Unterstützungen bieten die Apps?

  • Apps für Chroniker bieten in den meisten Fällen die Möglichkeit, Daten zu dokumentieren (68,1%) und grafisch auszuwerten (53,5%) - die klassischen Funktionen eines digitalen Tagebuches. Die Möglichkeit, Messdaten per Bluetooth aus Messgeräten in Apps zu übernehmen (8,6%)  oder auch Schnittstellen zu Wearables (3,2%) sind noch selten. Auch den Zugang zu einer unterstützenden Community (4,3%) oder individualisiertes Feedback (2,7%) bieten diese Apps bisher nur in Einzelfällen.
  • Bei Apps, die im Krankheitsfall Unterstützung bieten, dominiert die Informationssuche (66,7%). Hier steht z. B. das Auffinden von Ansprechpartnern (Adressdatenbanken) im Vordergrund oder die Suche von Informationen in Datenbanken (ICD 10, Lexika, Nachschlagewerke).
  • Video und Audio-Unterstützung (23,5%) findet sich am häufigste in Apps zur Gesunderhaltung. Sie bieten auf diesem Weg häufig Anleitungen zur Durchführung von Bewegungs- und Entspannungsübungen.

Fazit:

Derzeit domieren Apps, die Gesundheitswissen vermitteln oder mit denen sich Daten aufzeichnen und auswerten lassen, z. B. in Form digitaler Ernährungstagebücher, Regelkalender oder Schwangerschafts- und Patiententagebücher. Richtige, digitale Coaches, die Nutzern auf Basis ihres Verhaltens oder der erreichten Ziele individualisierte Handlungsempfehlungen geben, oder Apps, die Verhaltensänderungen durch Motivationsimpulse verstetigen, sind bisher kaum vertreten. Auch als gemeinsames Arbeitswerkzeug von Patienten und Arzt werden Apps noch kaum genutzt. Zwar bieten viele Apps schon heute die Möglichkeit, Tagebucheinträge in Form von PDF-Berichten zu  teilen, z. B. mit Ärzten. Damit Daten aus Apps und Wearables jedoch sicher und lesbar in die Systeme der Ärzte übertragen und auf diesem Wege in Therapieentscheidungen einbezogen werden können, fehlen heute die technischen Voraussetzungen. Was fehlt, ist eine digitale Patientakte, auf die Patient und Arzt gleichermaßen zugreifen können. Die Gematik und mittlerweile auch verschiedene Krankenkassen (AOK, TK) arbeiten daran. Ob sich dann die großen Erwartungen realisieren lassen, die sich gesundheitspolitisch Verantwortliche von der Digitalisierung erhoffen (1), wird sich zeigen.

Quellen:

(1) PwC. Effizienzpotentiale durch eHealth: Studie im Auftrag von CompuGroup Medical und bvitg e. V. 4/20

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