Datenstromanalyse: Was machen Gesundheits-Apps mit Patientendaten?

  • Erstellt am: 02.12.2017
  • von: ursula.kramer

Ab sofort weisen die HealthOn-Tesberichte auch die Ergebnisse einer sogenannten Datenstromanalyse aus (1). Die Transparenz für Nutzer von Gesundheits- und Medizin-Apps wird damit weiter verbessert.

Weil Gesundheits-Apps in der Regel für die Nutzer zunächst kostenlos sind und viele von ihnen ohne Werbeeinblendungen auskommen, ist die Frage berechtigt, wie sich diese Apps finanzieren und ob der Nutzer möglicherweise mit seinen Daten zur Kasse gebeten wird. Weil eine Datenschutzerklärung bei den meisten Angeboten vollständig fehlt (2), sind Gesundheits-App für Nutzer häufig eine Blackbox mit ungewissem Risiko!

Der Nutzer hat keine Möglichkeit, zu prüfen, was die App mit seinen Daten macht. Experten können das schon. Sie können Datenstromanalysen durchführen. Mit dieser Methode lässt sich feststellen, ob und wo Daten gespeichert werden, lokal oder auf einem Server, d. h. in der Cloud. Mit dieser Analyse wird sichtbar, auf welchem Server die Daten liegen, ist der Standort in Deutschland, Europa, USA oder in einem anderen Land? Auch über die Sicherheit der Daten beim Versenden oder Speichern gibt die Analyse Aufschluss, d. h. werden Daten verschlüsselt oder unverschlüsselt versendet, an welche anderen Server? HealthOn prüft ab sofort für jede analysierte App auch die Datenströme und informiert in den Testberichten darüber, was die App mit den Daten des Nutzers macht. Lassen sich die Angaben der Hersteller aus den Datenschutzerklärung im Test bestätigen, oder nicht?

Das Problem ist nicht auf Gesundheits-Apps beschränkt. Viele Apps, so Fraunhofer SIT, "spionieren ihre Nutzer aus, sammeln Daten und kommunizieren heimlich mit Drittservern." Viele Apps würden zudem Bibliotheken verwenden, die detaillierte Informationen über Nutzer sammeln. Fraunhofer SIT hat eine App angekündigt, die Nutzer künftig davor schützen soll. Der sog. Metaminer soll ohne Rooten des Gerätes auskommen und Tracking durch Apps effektiv verhindern. Dabei werden die Daten nach Angaben des Herstellers nur auf dem Gerät analysiert (3). Das Projekt ist gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Mehr Orientierung für Nutzer von Gesundheits- und Medizin-Apps durch Datenstromanalyse

HealthOn ist die größte, unabhängige Plattform, die regelmäßig Testberichte deutschsprachiger Gesundheits- und Medizin-Apps in einer Online-Datenbank veröffentlicht (4). Diese Datenbank der Digital Health-Pioniere ist mittlerweile auf über 700 Testberichte angewachsen. Die vielen Filter- und Sortiermöglichkeiten, die die Datenbank bietet, machen HealthOn zu einem wertvollen Recherchetool für Entscheider im Gesundheitswesen.

Quellen

  1. Datenstromanalyse am Beispiel der Gesundheits-App myImpf-Uhr
  2. HealthOn-Statistiken: Wie vollständig sind die Herstellerangaben [%], um Qualität, Vertrauenswürdigkeit & Sicherheit der Apps einschätzen zu können?
  3. Fraunhofer SIT: Metaminer soll datensammelnde Apps aufdecken.
  4. Gesundheits-Apps: Lernen von Portalen weltweit. E-HealthCom 6/17
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