Ernährungs-Apps: Wie gut sind sie?

  • Erstellt am: 26.03.2018
  • von: ursula.kramer

Ernährungs-Apps liegen in der Gunst der Nutzer weit vorne (1). In keinem anderen Anwendungskontext wecken Gesundheits-Apps ein vergleichbares Interesse. Getrieben vom Wunsch nach Selbstoptimierung und weniger vom Bedürfnis, sich gesund zu ernähren, suchen Verbraucher in den App-Stores nach Unterstützung.

Unter den Top-Ernährungs-Apps dominieren Angebote, die darauf abzielen, das Körpergewicht zu reduzieren, ausreichend Wasser zu trinken und besser zu leben mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten (1). Ob sich mit den Ernährungs-Apps die erwarteten Gesundheitsziele erreichen lassen und ob die Ernährungsinformationen oder Handlungsempfehlungen der Apps unabhängig, korrekt, aktuell und damit vertrauenswürdig sind, lässt sich nicht nur für Verbraucher und Patienten, sondern auch für Therapeuten und Ernährungsberater aufgrund lückenhafter Aufklärung durch die App-Anbieter schwer einschätzen. HealthOn hat die Unterstützungsansätze der Ernährungs-Apps (n=58) für deutschsprachige Verbraucher untersucht. Wie schneiden diese Apps in Punkto Qualität und Transparenz ab? Was kann derzeit wissenschaftlich gesichert über die Wirksamkeit von Ernährungs-Apps gesagt werden. Welche Ernährungs-Apps sind bei Nutzern besonders beliebt (2,3)?

Quantensprung in der Analyse des Ernährungsverhaltens?

Neue technische Entwicklungen zeichnen sich am Horizont ab, die das Interesse an Ernährungs-Apps und die Nutzung durch Diabetiker und Übergewichtige weiter steigern könnten. So sollen Apps als smarte Food-Checker zukünftig den Aufwand für das Zählen von Kalorien und Kohlehydraten deutlich vereinfachen können. Die Mahlzeiten werden fotographiert, den Rest erledigt die App?

  • Die ErnährungsApp Snics aus Österreich gibt vor, die Nährstoffe einer Mahlzeit anhand eines Fotos analysieren zu können, die App ist in GooglePlay verfügbar und wurde von HealthOn getestet: Testbericht
    • Wie funktioniert die App? Die erste, grobe Einschätzung der App, d. h. welche Mahlzeit ist zu erkennen, wie viele Kalorien hat die Mahlzeit, erfolgt direkt nach der Bilderkennung. Die angezeigten Ergebnisse sind recht ungenau. Im Hintergrund wird ein Ernährungsteam aktiv, das die Bilder offensichtlich nachprüft und die konkretisierten Angaben nach einer Weile (ca. 1-2 h) überarbeitet und anzeigt. Die App, die mit künstlicher Intelligenz arbeiten soll, wird mit den Daten der Nutzer gefüttert, die Genauigkeit der Angaben soll sich nach und nach verbessern. Informationen zu Quellen, Autoren,  verwendeten Algorithmen etc. liefert die App nicht, auch keine Informationen, ob und wie die App wissenschaftlich evaluiert wird.
  • Die patentgeschützte App GoCarb, die im Rahmen eines Forschungsprojektes des Inselspitals Bern in der Schweiz entwickelt und evaluiert wird, soll Typ 1 Diabetikern dabei helfen, den Kohlehydratgehalt ihrer Mahlzeiten einfach zu ermitteln. Dazu wird die Mahlheit mit dem Smartphone aus zwei Perspektiven zusammen mit einem kreditkartengroßen Referenzobjekt fotographiert, um durch eine räumliche Sicht die Portionsgröße besser abschätzen zu können.
    Der Nutzer bekommt automatisch von der App den Kohlenhydratgehalt angezeigt. Entwickelt wurde GoCARB von der Diabetes Technology Group des ARTORG Center for Biomedical Engineering der Universität Bern in enger Zusammenarbeit mit dem Inselspital, dem Universitätsspital Bern, sowie mit Roche Diabetes Care Inc (Indianapolis, USA) und Roche Diabetes Care GmbH (Mannheim, Deutschland). Die GoCARB-App ist noch nicht erhältlich. Die Weiterentwicklung des Prototyps zu einem käuflichen Produkt ist gegenwärtig in Diskussion.

Quellen

  1. Gesundheits-Apps: Wo ist das Interesse am größten? Infographik, HealthOn, März 2018
  2. Vortrag: Dr. Ursula Kramer: Wie gut sind Ernährungs-App? Ernährungsmedizin & Diätetik. 21.03.2018, Würzburg
  3. Marktstudie Ernährungs-Apps März 2018, HealthOn
  4. App aus Wienn zählt Kalorien mithilfe von Handyfotos, Futurezone, Feb 2018
  5. Smartphone App Counts Carbs from Photo of Your Meal, Tuesday, March 20, 2018 8:17
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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse von mittlerweile über 10.000 Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...