Siegel für Gesundheits-Apps: Marktübersicht & Einordnung

  • Erstellt am: 17.05.2018
  • von: ursula.kramer

Das Angebot weltweit ist riesig: In den Kategorien Gesundheit und Fitness & Medizin sind es weltweit rund 300.000 Apps, die die beiden großen App-Stores bieten (1). Nur ein winziger Teil dieser Apps ist reguliert, d. h. unterliegt einer behördlichen Kontrolle, alle anderen nicht. Verbraucherschützer, Berufsverbände und Selbsthilfeorganisationen fordern Gütesiegel für Gesundheits-Apps, um Verbrauchern und Patienten Orientierung zu geben und sie zu schützen (2). Über den Weg dahin wird seit Jahren diskutiert. Zwischenzeitlich haben sich national und international Bewertungsportale entwickelt (3), wissenschaftliche Evaluationstools (4,5), Orientierungshilfen in Form von Checklisten für Verbraucher (6,7) sowie Vorschläge zur Etablierung eines fachübergreifenden Gütesiegels (8). Das Bundesgesundheitsministerium hat angekündigt, einen Online-Kriterienkatalog als Unterstützung für medizinische Fachgesellschaften zu entwickeln (9).

Welche Siegel gibt es überhaupt, welche Relevanz haben sie? In der folgenden Marktübersicht werden die derzeit identifizierbaren Test-, Qualitäts- und Datenschutzsiegel (10) auf Basis einer strukturierten Analyse differenziert eingeordnet. Was können sie, welche Orientierungswirkung geht von ihnen derzeit aus, wie können Marktdurchdringung und Sichtbarkeit weiter verbessert werden?

Eine tabellarische Marktübersicht mit Links zu den jeweiligen Bewertungskriterien und Anbietern stellt für alle Siegel dar,

  • auf welche Apps sich die Siegel beziehen, (regulierte Medizin-Apps, Unregulierte Gesundheits-Apps, Apps mit speziellem Anwendungs- bzw. Indikationsschwerpunkt),
  • welche Kriterien in die Qualitätsprüfung einbezogen werden,
  • wie viele Apps bisher mit den Kriterien des Prüfsiegels überprüft worden sind,
  • wer die Überprüfung der Gesundheits-Apps in Auftrag gibt, wer dafür bezahlt,
  • und wo und wie das jeweilige Siegel beworben wird?

HealthOn_Infografik_Qualitaetssiegel_GesundheitsApps

Regulierte Medizin-Apps: CE-Kennzeichen und BiM-Siegel

CE-Kennzeichung für Medizin-Apps

Das CE-Kennzeichen für Medizinprodukte, mit dem regulierte Medizin-Apps kenntlich gemacht sind, hat eine klare Sonderstellung! Es wird nach dem erfolgreichen Durchlaufen eines gesetzlichen Prüfprozesses, dem sog. Konformitätsverfahren, vergeben (11). Für Apps, die zur Diagnose oder Therapie von Krankheiten in Verkehr gebracht werden, gilt das Medizinproduktegesetz, d. h. für sie ist diese Zertifizierung verpflichtend. Die CE-Deklarationsbescheinigung, die die verschiedenen ISO-Qualitätsnormen auflistet, die im Rahmen der Prüfung angewendet werden, sind für regulatorische Laien wenig verständlich (12). Wichtig: Das CE-Kennzeichen sagt nichts aus über den gesundheitlichen Nutzen einer App! (6).
Bis dato gibt es keine behördliche Stelle, bei der jeder Verbraucher und Patient die CE-gekennzeichneten Medizin-Apps einsehen kann. Durch intensive Marktbeobachtung über viele Jahre sind die CE-gekennzeichneten Medizin-Apps, die für deutschsprachige Verbraucher z. B. im größten App-Store Google Play angeboten werden, bekannt, es sind derzeit etwas mehr als 20 (13). Mit der neuen Europäischen Medical Device Regulation (MDR), die 2020 in Kraft tritt, wird jedem Medizinprodukt zukünftig ein eindeutiger Produktschlüssel zugewiesen (Unique Device Identification, UDI). Damit wird nicht nur die Rückverfolgbarkeit bei Rückrufen verbessert, sondern voraussichtlich auch die Transparenz über die angebotenen, Medizin-Apps, die als Medizinprodukte zertifiziert sind.

Qualitätsprodukt Internetmedizin BiM

Seit 2015 unterstützt der Bundesverband Internetmedizin Unternehmen im Zertifizierungsprozess von Medizin-Apps, die als Medizinprodukte in Verkehr gebracht werden sollen. Der Verband beschränkt sich dabei auf Apps der Risikoklasse I, die ohne sog. benannte Stelle zertifiziert werden können. Der Verband bereitet im Auftrag und auf Kosten des Herstellers die notwendigen Dokumente für den Erwerb des CE-Kennzeichens vor. Der Anforderungskatalog für das Siegel „Qualitätsprodukt Internetmedizin“ orientiert sich sehr eng an den gesetzlichen Anforderungen für Medizinprodukte der Klasse I, wird allerdings erst nach Auftragserteilung an den App-Hersteller herausgegeben (Website). Wie viele Apps bisher vom Verband das Siegel „Qualitätsprodukt Internetmedizin“ erhalten haben, ist auf der Website des Verbandes nicht einsehbar (14). Eine CE-zertifizierte Medizin-App, die auf ihrer Website mit dem BiM-Siegel wirbt, ist die App Femisphere (15).

Datenschutzsiegel von TÜV & Co.

Den Nutzern einer Banking-, einer Shopping- oder auch einer Gesundheits-App ist die Sicherheit ihrer Daten sehr wichtig. Ein Siegel, das den sicheren Umgang mit diesen Daten bescheinigt und die Akzeptanz bei Nutzern stärkt, kann für Anbieter attraktiv sein. TÜV-assoziierte Organisationen werben mit Datenschutzsiegeln, die sie als Marketingmaßnahme an App-Hersteller verkaufen. Im Zentrum der TÜV-Prüfungen stehen Datensicherheit und Datenschutz, z. T. werden auch Tests zur Funktionalität (z. B. ISO 25051) sowie zur Benutzerfreundlichkeit (DIN EN ISO 9241) durchgeführt (16). TÜV-assoziierte (TÜV Saarland, TÜV Nord Group, TÜV Süd Product Service, TÜV Rheinland) und anderen auf Datenschutz spezialisierten Unternehmen (17) überprüfen u. a. auch Gesundheits-Apps. Die gesundheitsbezogene Qualität einer App, d. h. Inhalte, Unterstützungsansatz oder gesundheitlicher Nutzen, sind nicht Gegenstand der Prüfungen. Insgesamt 21 Zertifikate von 3 verschiedenen Anbietern für 14 verschiedene Gesundheits- und Medizin-Apps konnten bei einer aktuellen Marktanalyse identifiziert werden (18 HealthOn Marktanalyse 5/2018). Weil die verschiedenen TÜV-Unternehmen unabhängig voneinander agieren, gibt es keine zentrale Stelle, über die alle Apps mit Datenschutzsiegel abrufbar sind. Was die Transparenz außerdem erschwert, ist die Doppelrolle des TÜVs. Er vergibt nicht nur Datenschutzsiegel zu Marketingzwecken, sondern tritt auch als sog. benannte Stelle in Erscheinung bei der Vergabe der CE-Kennzeichen für Medizinprodukte. Das bringt z. B. Marketingslogans hervor, wie die „erste „TÜV-zertifizierte Verhütungs-App“, weil im Fall der Zyklus-App Natural Cycle die CE-Konformität vom TÜV Süd bescheinigt wurde (12).

Test-Siegel der Stiftung Warentest

Auch die Stiftung Warentest hat in den letzten fünf Jahren Gesundheits-Apps getestet, dafür allerdings kein spezielles Siegel entwickelt. Wie für andere Produkte auch, vergibt sie Testurteile und holt sich im Falle von Gesundheits-Apps dazu je nach Anwendungsgebiet die externe Medizinexpertise ein. Die in 2013 getesteten Apps (n=12) aus den Anwendungsgebieten Rauchentwöhnung, Diät, Diabetes und Arzneimitteladhärenz, sind längst veraltet (19). Im November 2017 wurden weitere Gesundheits-Apps getestet: 13 Zyklus-Apps (20). Interessierte Verbraucher können diese Testberichte kaufen. Während sich beim Kauf teurer Konsumgüter der Erwerb eines Testberichtes lohnen kann, ist das bei Testberichten für Gesundheits-Apps fraglich, da Gesundheits-Apps in der Regel immer kostenlos getestet, in den meisten Fällen sogar dauerhaft kostenlos genutzt werden können (1). Warum sollten App-Nutzer für einen Testbericht bezahlen?

Qualitätssiegel für Gesundheits-Apps

Apps, die Verbraucher und Patienten bei einem gesunden Lebensstil (z. B. Vorsorge-Apps, Entspannungs-, Ernährungs-, Bewegungs-Apps) oder beim Selbstmanagement einer chronischen Erkrankung unterstützen (z. B. Medikations-Apps, Symptom- und Patiententagebücher für Diabetiker, Hypertoniker, Krebspatienten), unterliegen in Deutschland keiner staatlichen Kontrolle (11). In der Vielzahl der globalen Angebote nützliche, vertrauenswürdige und sichere Gesundheits-Apps zu finden, ist eine große Herausforderung (21). Viele verschiedene Aspekte fließen in die Qualität einer App ein: Technische Funktionsfähigkeit, Anwenderfreundlichkeit und Sicherheit der Daten sind das eine. Bei Gesundheits-Apps genauso wichtig sind wissenschaftlich fundierte, und vor allem wirksame Unterstützungskonzepte. Der Nutzer will sicher sein, dass Tipps und Handlungsempfehlungen richtig und unabhängig sind, dass die vermittelten Informationen aktuell und relevant sind. Damit Apps als dauerhafte Unterstützungshilfe genutzt werden, müssen sie von ihren Nutzern darüber hinaus auch positiv und motivierend erlebt werden. Die vielen, verschiedenen Qualitätsdimensionen in einem Kriterienkatalog für ein Qualitätssiegel abzubilden, ist komplex. Sie in einem validen Prozess reproduzierbar zu überprüfen, ist eine Herausforderung. Technische Expertise im Bereich App-Programmierung, Datenschutzexpertise, wissenschaftliche Kompetenz, Erfahrung mit Designstandards, User Experience und Usability einer App, das alles sind erforderliche Qualifikationen, die ein Prüferteam zur Qualitätseinschätzung braucht. Darüber hinaus ist ein hohes Maß an operativer Effizienz erforderlich, um die Prüfergebnisse relevanter Gesundheits-Apps qualitätsgesichert und zeitnah Dritten, z. B. über eine Online-Datenbank, zugänglich zu machen.

HealthOn Ehrenkodex

Am längsten im Markt und am breitesten aufgestellt ist HealthOn, die größte Qualitätsplattform für Gesundheits-Apps in Deutschland (3). Die Ärzte Zeitung berichtet erstmals im Oktober 2012 über das HealthOn-Siegel für Gesundheits-Apps (22). Seit 2012 analysiert HealthOn mit einem interdisziplinären Expertenteam das Angebot an deutschsprachigen Gesundheits- und Medizin-Apps, mit dem Ziel, die Orientierung hierzulande für Verbraucher und Patienten zu verbessern.

  • HealthOn prüft unabhängig und auf eigene Veranlassung (24) im Rahmen von strukturierten Marktanalysen, d. h. in der Regel wird das komplette Angebot einer Anwendungsgruppe analysiert, z. B. alle Raucher-Apps, alle Schmerz-Apps oder alle Diabetes-Apps, die zu einem Stichtag im größten App-Store Google Play als Android-Apps verfügbar sind. Weil das Android-Betriebssystem in Deutschland dominiert (Marktanteil 75,8 Prozent (25) und Verbraucher und Patienten mehrheitlich Android-Apps nutzen, prüft HealthOn nur Apps, die auch in einer Android-Version verfügbar sind.
  • Weitere Voraussetzungen für eine Aufnahme in die HealthOn-Testdatenbank: Die Gesundheits-App muss in einer kostenlosen Testversion frei zugänglich sein und eine medizinische Relevanz haben, d. h. eine Unterstützungshilfe für das Selbstmanagement oder die Prävention von Krankheiten sein, die eine hohe Krankheitslast und damit eine große gesamtgesellschaftliche Bedeutung haben.

Jede App wird auf der Basis eines transparenten Kriterienkatalogs überprüft (26), zu dem sieben Qualitäts- und Transparenzkriterien zählen, die den Kern des HealthOn-Ehrenkodex für vertrauenswürdige Gesundheits-Apps bilden (27). Sind die Angaben des Anbieters vollständig (Autor, Quellen, Datenschutzerklärung, Impressum, Kontaktangaben, Finanzierungs- und Werbepolitik) wird der Testbericht in der HealthOn-Datenbank mit dem HealthOn-Siegel gekennzeichnet. App-Herstellern entstehen dadurch keine Kosten. Apps mit HealthOn-Siegel können Qualitätspartner werden, der Testbericht der App ist dann für alle Websitebesucher sichtbar, auch ohne Anmeldung (28).

HealthOn bildet mit den unabhängigen Testberichten von über 800 Gesundheits-Apps das Angebot relevanter Gesundheit-Apps vollständig ab. Auch das verfügbare, aktuelle Wissen zur Studienlage, zu Kassenerstattung sowie zu Empfehlungen und Siegeln der getesteten Gesundheits-App ist über die Plattform online abrufbar (29). Finanziert wird HealthOn von Partnern (z. B. Krankenkassen), die HealthOn als unabhängige, qualitätsgesicherte Datenquelle als Recherche- und Entscheidungshilfe nutzen, und nicht von den Herstellern, deren Apps HealthOn prüft (24).

DiaDigital-Siegel für Diabetes-Apps

Seit 2017 prüft eine Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Diabetes Gesellschaft zusammen mit dem Zentrum für Telemedizin und Telematik (ZTG GmbH) Diabetes-Apps und vergibt ein Prüfsiegel, das DiaDigital-Siegel. Anbieter von Diabetes-Apps können sich für das Siegel bewerben. Auf Basis der Selbstauskunft des Herstellers (30) und des technischen Prüfberichtes des ZTG (31) entscheidet ein Gremium aus Diabetespatienten und Diabetestherapeuten, ob das Siegel vergeben wird. Über die Kosten des DiaDigital-Siegels für den Antragsteller finden sich keine Informationen auf der Website. Bisher haben fünf Apps dieses Siegel erhalten (32), darunter eine App zur Unterstützung der Therapieadhärenz sowie zwei Ernährungs-Apps für Diabetiker. Zum Vergleich: Derzeit sind über 60 deutschsprachige Diabetes-Apps im Markt, mehr als 30 davon werden regelmäßig aktualisiert und erreichen relevante Nutzerzahlen (33).

AppCheck

Das ZTG, das mit der Deutschen Diabetes Gesellschaft seit 2017 bei der Vergabe des DiaDigital-Siegels zusammenarbeitet, ging bereits 2012 mit der Plattform AppCheck an den Start. Die vom Land Nordrhein-Westfalen geförderte Plattform ist mit dem Ziel angetreten, sich als Informations- und Bewertungsplattform für Gesundheits-Apps zu etablieren. Trotz öffentlicher Fördermittel ist die Plattform bisher nicht über die Testung weniger Apps (Diabetes n=5; Demenz, n= 31) hinausgekommen (34).

Siegel für Website mit gesundheitsbezogenen Informationen

Lange bevor die ersten Gesundheits-Apps vor ca. 10 Jahren am Markt erschienen sind, war die Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit von Gesundheitsinformationen im Internet ein Thema. Zwei Siegel haben sich in diesem Bereich als Orientierungshilfe für Verbraucher und Patienten entwickelt, ein internationales, der HON-Code (35), sowie ein nationales, das afgis Qualitätslogo (36). Beide Siegel sollen Websitebesuchern signalisieren, dass es sich um eine vertrauenswürdige Gesundheitswebseite handelt. Die für Webseiten entwickelten Standards und Qualitätskriterien, lassen sich grundsätzlich auch auf Gesundheits-Apps anwenden, wie das afgis Factsheet Gesundheits-Apps (s. u.) zeigt.

HON-Code

Seit 20 Jahren engagiert sich die gemeinnützige Stiftung mit Sitz in der Schweiz für bessere Transparenz und mehr Patientenschutz im Internet. Aktuell sind weltweit 7.300 Webseiten mit mehr als 10 Mio. Seiten in 102 Ländern HON-Code zertifiziert (37). Die Stiftung prüft die Webseiten stichprobenartig, Verstöße können an die Stiftung gemeldet werden und führen zum Entzug des Siegels. Für die Bearbeitung des Antrages wird eine geringe Kostenbeteiligung erhoben.

Wichtig: Die Stiftung prüft keine Gesundheits-Apps. Die Kriterien des HON-Codes wurden 2012 von HealthOn aufgegriffen und werden seither in Form des HealthOn-Ehrenkodex auf Gesundheits-Apps angewendet (27).

Afgis Qualitätslogo

Der Verein Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem e. V. zertifiziert, im Auftrag und auf Kosten von Betreibern, deutschsprachige Webseiten mit Gesundheitsinformationen, aktuell gibt es 42 Webseiten mit afgis Qualitätslogo (38). Im Gegensatz zum HON-Code prüft afgis nicht nur formale Qualitätskriterien ab, sondern unterzieht auch die Webseiteninhalte einer Prüfung (39). Gesundheits-Apps überprüft die afgis nicht. Mit dem sog. „Factsheet Gesundheits-Apps“ (40) hat sich die afgis mit HealthOn, dem Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik an der Medizinischen Hochschule Hannover sowie dem ZTG auf formale Qualitätskriterien verständigt, die u. a. den Herstellern von Gesundheits-Apps bereits in der Konzeptionsphase Orientierung geben sollen.

Qualitätssiegel etablieren: Eine Herkules-Aufgabe mit Sisyphus-Charakter

Unternehmen, öffentliche Institutionen, Berufsverbände oder medizinische Fachgesellschaften, die mit einem Qualitätssiegel für Gesundheits-Apps Orientierung für Verbraucher und Patienten schaffen wollen, haben ein Bündel komplexer Herausforderungen zu meistern.

  • Eine umfassende Qualitätsprüfung erfordert die Expertise eines interdisziplinären Prüferteams und verursacht hohe Prüfkosten
  • Die Masse der angebotenen Gesundheits- und Medizin-Apps muss auf die zu prüfenden Apps heruntergebrochen werden, die für Verbraucher und Patienten relevant und nützlich sind. Erfahrung und Marktkenntnis ist dafür erforderlich, eine maschinelle Auswertung der Beschreibungstexte, die die App-Hersteller in den App-Stores einstellen, reicht dazu nicht aus.
  • Die hohe Marktdynamik zwingt zur kontinuierlichen Anpassung der Testkriterien, um technische Veränderungen bei der Einschätzung von Apps berücksichtigen zu können, wie z. B. die Nutzung künstlicher Intelligenz oder Schnittstellen zu Apps und Wearables etc.
  • Die große Unsicherheit im Hinblick auf die zukünftigen Rahmenbedingungen zur Nutzung von Gesundheits-Apps führt zu einem hohen Investitionsrisiko bei Aufbau und operativem Betrieb einer Prüfinstanz.
  • Für eine unabhängige, breit akzeptierte Prüfinstitution braucht es ein nachhaltiges Finanzierungsmodell, das die Unabhängigkeit von App-Herstellern oder von einzelnen finanzstarken Marktakteuren (z. B. Pharmaunternehmen, Krankenkassen) sichert.

Fazit & Schlussfolgerung: Bisher kann in Deutschland kein am Markt befindliches Qualitätssiegel als bei Verbrauchern und Patienten allgemein bekannt und weithin sichtbar gelten (10). Daraus abzuleiten, dass diese Ansätze allesamt keine Relevanz hätten und stattdessen mehr gesetzliche Regulierung erforderlich wäre, geht an der Wirklichkeit vorbei. Denn der globale, dynamische Markt der digitalen Gesundheitsanwendungen wird nicht transparenter und sicherer durch nationale oder europäische Regulierungsansätze. Der globale Markt wird von US-Unternehmen getrieben. Um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, brauchen wir Konzepte,

  • um den Marktzugang für die regulierten, innovativen Medizinprodukte-Apps bei größtmöglicher Sicherheit für Patienten beschleunigen zu können, ähnlich wie es die FDA mit ihrem Pre-Certification-Process derzeit versucht (41).
  • die die Stärken der bestehenden Ansätze zur Identifizierung „guter“ Gesundheits-Apps nutzen und weiter ausbauen, um die digitale Gesundheitskompetenz (Digital Health Literacy) in unserem Lande insgesamt zu stärken.

Mit HealthOn gibt es eine Orientierungsplattform, die über alle Anwendungsgebiete hinweg das relevante Angebot an Gesundheits- und Medizin-Apps quantitativ und qualitativ umfassend darstellt, eine Plattform, die als Baustein in eine breit angelegte Bildungsoffensive integriert werden kann. Wenn Expertisen, Energien und Ressourcen zukünftig gebündelt werden, können Orientierungshilfen die erforderliche Sichtbarkeit und Marktdurchdringung erreichen, so dass digitale Gesundheitsanwendungen zukünftig dort zum Einsatz kommen, wo sie Effizienz, Patientenorientierung und Qualität der Gesundheitsversorgung verbessern. Das ist ein Ziel, das jetzt mit hoher Priorität verfolgt werden sollte.

Quellen:

  1. 42matters: Statistiken Gesundheits- und Medizin-Apps. https://42matters.com/stats
  2. Dtsch Arztebl 2018; 115(3): A-67 / B-61 / C-61. Gesundheits-Apps: Fachübergreifende Qualitätskriterien sind unabdingbar https://www.aerzteblatt.de/archiv/195806/Gesundheits-Apps-Fachuebergreif...  
  3. Kramer, U., Lernen von Portalen weltweit. E-HEALTH-COM, 6/2017; 11/2017 http://e-health-com.de/fileadmin/user_upload/dateien/Downloads/EHC_6_2017_Gesundheits_Apps_Lit.pdf
  4. DiFilippo KN et al. A New Tool for Nutrition App Quality Evaluation (AQEL): Development, Validation, and Reliability Testing. JMIR Mhelath Uhelath, 2017 Oct; 5(10):e163 
  5. Stoyanov SR, Hides L, Kavanagh DJ, Wilson H. Development and Validation of the User Version of the Mobile Application Rating Scale (uMARS). Eysenbach G, ed. JMIR mHealth and uHealth. 2016;4(2):e72. doi:10.2196/mhealth.5849.
  6. Kramer U., Wie gut sind Gesundheits-Apps? Was bestimmt Qualität & Risiko? Welche Orientierungshilfen gibt es? Aktuel Ernahrungsmed 2017; 42(03): 193-205 DOI: 10.1055/s-0043-109130; 03/2017
  7. APS stellt neue Checkliste zur Nutzung von Gesundheits-Apps vor. Dt. Ärzteblatt, Mai 2018 https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/94936/APS-stellt-neue-Checkliste-...
  8. Kramer U. Diabetes-Apps: Wie kann eine Zertifizierung konkret aussehen? Diabetes Aktuell 2017; 15(08): 344 - 348; 12/2017 https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0043-120802
  9. Ministerium kündigt App-Bewertungshilfe für Ärzte an: http://www.derhausarzt.eu/hausarzt/2017/20/11-01.php
  10. Albrecht UV, Hillebrand U, von Jan U. Relevance of Trust Marks and CE Labels in German-Language Store Descriptions of Health Apps: Analysis https://mhealth.jmir.org/2018/4/e10394/
  11. Orientierungshilfe Medical Apps https://www.bfarm.de/DE/Medizinprodukte/Abgrenzung/MedicalApps/_node.html
  12. Konformitätserklärung Natural Cycles 6)https://storage.googleapis.com/ncbackend-test.appspot.com/Declaration%20of%20conformity.pdf
  13. HealthOn Testberichtdatenbank, Expertenview. Stand: Mai 2018 https://www.healthon.de/gesundheitsapps_testberichte
  14. Bundesverband Internetmedizin. Siegel Qualitätsprodukt Internetmedizin. http://bundesverbandinternetmedizin.de/siegel/
  15. BiM-Siegel der App Feminsphere: https://www.de.onelife.me
  16. TÜV SÜD Product Service GmbH https://www.tuev-sued.de/produktpruefung/dienstleistungen/softwarequalitaet/pruefung-mobiler-applikationen
  17. ePrivacy GmbH: https://www.eprivacy.eu/guetesiegel/eprivacyapp
  18. HealthOn Marktanalyse 5/2018. Test-, Qualitäts-, Datenschutzsiegel.
  19. Stiftung Warentest 11/2013: https://www.test.de/Gesundheits-Apps-Ich-weiss-wie-viel-du-wiegst-4622985-0
  20. Stiftung Warentest: Zyklus-Apps, 22.11.2017 https://www.test.de/Zyklus-Apps-im-Test-5254377-0/
  21. Das Gesundheits-App Dilemma: https://www.healthon.de/infografiken/2017/01/das-%E2%80%9Egesundheits-app-dilemma%E2%80%9C
  22. Gesundheits-Apps: Ehrenkodex mit sieben Regeln. Ärzte Zeitung, Oktober 2012 https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/w_specials/gesundheitsapps2011/article/823309/gesundheits-apps-ehrenkodex-sieben-regeln.html
  23. HealthOn Testberichtdatenbank: Statistiken https://www.healthon.de/healthon-statistiken
  24. HealthOn: Über uns. https://www.healthon.de/healthon
  25. Kantar World Panel Smartphone OS sales market share evolution. Android v. iOS https://www.kantarworldpanel.com/global/smartphone-os-market-share/
  26. HealthOn: Kriterienkatalog für Anbieter von Gesundheits-Apps: https://www.healthon.de/app-test_fuer_entwickler
  27. HealthOn Ehrenkodex: https://www.healthon.de/ehrenkodex   
  28. HealthOn Qualitätspartnerschaft für Gesundheits-Apps mit HealthOn-Siegel https://www.healthon.de/gesundheitsapps_qualitaetspartnerschaft
  29. Healthon Expertenview: Leistungsbeschreibung: https://www.healthon.de/testberichte/expertenview
  30. https://diadigital.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/05/1-Selbstauskunft-SiDiary.pdf
  31. https://diadigital.de/wordpress/wp-content/uploads/2017/05/2_ZTG_Technische-ueberpruefung_SiDiary.pdf
  32. Apps mit DiaDigital-Siegel 2018. https://diadigital.de/apps-mit-siegel/
  33. Daten-Management: Hilfe durch Diabetes-Apps? Daibets-App Screening 12/2017. https://www.healthon.de/infografiken/2018/02/daten-management-hilfe-durch-diabetes-apps
  34. Appcheck: Di Informations- und Bewertungsplattform für Gesundheits-Apps https://www.appcheck.de/
  35. HONcode Qualitätskriterien. https://www.healthonnet.org/HONcode/German/
  36. afgis e. V. Qualitätslogo für https://www.afgis.de/qualitaetslogo
  37. HON Facts: Certified Websites https://www.hon.ch/HONcode/Patients/Visitor/visitor.html
  38. Webseiten mit afgis-Qualitätslogo: Stand 25.04.2018. https://www.afgis.de/qualitaetslogo/aqdb/anbieter   
  39. afgis Transparenzkriterien: https://www.afgis.de/qualitaetslogo/transparenzkriterien
  40. afgis Gesundheits-App Factsheet. https://www.afgis.de/standards/gesundheits-app-fact-sheet/files/afgis_apps_web.pdf
  41. FDA: Digital Health Software Precertification (Pre-Cert) Program https://www.fda.gov/MedicalDevices/DigitalHealth/DigitalHealthPreCertProgram/default.html
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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse von mittlerweile über 10.000 Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...