Digitales für Apotheker

  • Erstellt am: 06.07.2018
  • von: ursula.kramer

Die Ap(p)othekerin - Dr. Ursula Kramer von HealthOn - Digitales für ApothekerMit der neuen Serie Digitales für Apotheker lädt die Deutsche Apotheker Zeitung ihre Leser ein, die Chancen digitaler Anwendungen im Beratungsalltag zu entdecken und digitales Neuland zu erobern. An Bord der Entdeckungsreise ist die Digital Health Pionierin und Apothekerin Dr. Ursula Kramer, die ab sofort regelmäßig über Apps, Bots und Wearables schreibt und mit dem Thema Qualität von Gesundheits-Apps startet.

Digitalisierung durchdringt alle Lebensbereiche, zunehmend auch die Gesundheitsversorgung: Verbraucher und Patienten checken Krankheitssymptome (1), sie überprüfen schon heute ihre Arzneimittel auf potentielle Wechselwirkungen (2) oder melden unerwünschte Nebenwirkungen mit Apps (3). Sie nutzen Chat-Bots im Online-Selbstmanagement von Depression und Angststörungen (4) und greifen zu Rund-um-Sorglos-Paketen aus App, Blutzuckerteststreifen, Messgerät und zertifiziertem Online-Diabetesberatung, mit dem Ziel, den Alltag mit Diabetes besser zu bewältigen (5).
Wie können Apotheker Gesundheits-Apps, Wearables und smarte Messgeräte im Beratungsalltag sinnvoll einbinden, was müssen sie wissen, um ihre Kunden zu beraten in Sachen App für das Selbstmanagement einer chronischen Krankheit oder smarte Unterstützung einer gesünderen Lebensführung? Die DAZ-Kolumne gibt Antworten.

Digitales für Apotheker: Ziele der neuen DAZ-Serie

Doch es geht um mehr, als um kleine Smarte Helfer, nice to have, irgendwie hipp und trendy. Es geht darum zu verstehen, warum diese digitalen Tools das Potential haben, die Versorgungssysteme und die Berufsbilder von Arzt und Apotheker grundlegend zu verändern.
Die Lockerung des ärztlichen Fernbehandlungsverbotes – und die Aussage der Standesvertreter, dass für Apotheker alles beim Alten bliebe (6), Klage über mangelnde Digitalisierung der Apotheke, die mit dem Hinweis negiert wird, dass schon alle Abläufe digitalisiert seien (7), dass man perfekt sei in der Logistik. Sind das Anzeichen dafür, dass der Apothekerstand die Chancen und Risiken der Digitalisierung verkennt? Hält er ängstlich fest am Status Quo, statt sich neue Handlungsfelder zu erobern und die Versorgung von morgen aktiv mitzugestalten? Was macht die disruptive Kraft der Digitalisierung aus? Nicht die Nutzung von IT, um bestehende Prozesse digital abzuwickeln. Es sind vielmehr die Möglichkeiten, vollkommen neue Prozesse zu schaffen, um Kundenbeziehung zu intensivieren, um Kooperationen mit anderen Leistungserbringern zu knüpfen, um neue Dienstleistungsmodelle zu entwickeln. In diesen neuen, digitialen Versorgungskonzepten punktet der Apotheker mit seiner Qualifikation als Arzneimittelfachmann – und nicht als Logistiker – er wird gebraucht aufgrund seiner pharmazeutischen Expertise.

Neue Rolle des Apothekers in digitalisiertem Gesundheitssystem

Adhärenz ist das zentrale Problem in der Gesundheitsversorgung weltweit (8). Lebensstil-bedingte Erkrankungen bestimmen die Krankheitslast in Deutschland (9) und anderen modernen Zivilisationsgesellschaften. Wer an diesen beiden Hebeln mit Hilfe digitaler Konzepte Innovation schafft, wird die Qualität der Prävention und der Arzneimittelversorgung maßgeblich verändern. Wir brauchen pharmazeutischen Sachverstand, Kreativität und Selbstbewusstsein, um mit den über Apps und Wearables gewonnenen Daten aus dem Lebensumfeld des Patienten, den sog. Real World Daten, bestehende Therapiekonzepte auf den Prüfstand zu stellen. Der Apotheker wird zum Adhärenz-, Präventions- und Datenmanager, um Wirksamkeit, Verträglichkeit und Nutzen dieser Konzepte auf der Grundlage der Real World Evidence (RWE) neu zu bewerten. Wir brauchen neue Kooperationsmodelle, um interdisziplinäre Zusammenarbeit von Therapeuten- und Pflegeteams zu intensivieren. Ziel ist es, die Versorgungssituation von Chronikern und Pflegebedürftigen zu verbessern. Wie können wir das individuell sehr unterschiedliche soziale Umfeld, die Komorbiditäten, die Fähigkeiten und Möglichkeiten von Patienten in der Polypharmakotherapie unter Nutzung der vom Patienten generierten Daten besser berücksichtigen? Wie können wir ihre Präferenzen in Punkto Therapieziele und Lebensqualität besser erfassen und einbeziehen, um die Arzneimittelsicherheit und die Ergebnisqualität therapeutischer Interventionen zum Wohle von Patienten zu verbessern?

FAZIT: Digitalsierung - dabei geht es um komplexe, pharmazeutische Fragestellungen im Hinblick auf zukünftige Versorgungsmodelle, und nicht um die Frage – Arzneimittel online bestellen oder bei der Apotheke vor Ort? Und in diesem Prozess muss der Berufsstand der Apotheker Antworten finden und gestaltend eingreifen die digitale Transformation des Gesundheitssystem, jetzt, für die Zukunft! Mit der  Serie Digitales für Apotheker will die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer dazu beitragen.

Quellen:

  1. ada - Symptom-Checker-App
  2. Apotheke vor Ort mit Check auf Arzneimittelwechselwirkung
  3. Medikura und Nebenwirkungen EU
  4. Woebot - Chat-Bot zum Selbstmanagement von Depressionen
  5. mySugr  Das mySugr Paket – Wir machen Diabetes einfacher
  6. Lockerung des Fernbehandlungsverbotes - für Apotheker ändert sich nichts, Ärzte Zeitung
  7. Arbeitsabläufe in der Apotheke seit vielen Jahren IT-gestützt. E-Health. ABDA-Position
  8. Therapietreue dauerhaft verbessern. Pharmazeutische Zeitung. 47/2007
  9. Plass et al. (2014). Entwicklung der Krankheitslast in Deutschland
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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse von mittlerweile über 10.000 Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...