Medikations-Apps: Potentiale & Herausforderungen

  • erstellt am: 18.02.2019
  • von: anne.striegel
Gesundheits-Apps zur Unterstützung der Arzneimitteltherapie: Potentiale & Herausforderungen Screening Medikations-Apps 01/2019
Gesundheits-Apps zur Unterstützung der Arzneimitteltherapie: Potentiale & Herausforderungen Screening Medikations-Apps 01/2019
Beschreibung: 

Screening Medikations-Apps 01/2019

Können Medikations-Apps die Arzneimitteltherapie unterstützen und die Patientensicherheit vielleicht sogar verbessern. Mit diesen Fragen hat HealthOn das Angebot an Medikations-Apps in Google Play untersucht.

Das Thema ist von großer Relevanz, schließlich sind in Deutschland viele Menschen auf die dauerhafte Einnahme von Arzneimitteln angewiesen. Mehr als 15 Mio. Erwachsene geben an, mehr als 3 Arzneimittel pro Tag einnehmen zu müssen. Polymedikation ist eine große Herausforderung. Wissen zum Krankheitsbild und zur Therapie, die Motivation des Patienten zum Selbstmanagement sind Voraussetzungen dafür, dass Therapieempfehlungen richtig umgesetzt werden können, so dass die gewünschten Therapieziele erreicht werden. In Deutschland haben mehr als die Hälfte aller Menschen einen eigeschränkte Gesundheitskomptenz, weniger als die Hälfte der Patienten setzt Therapien wie ärztlich verordnet um. Welche Potentiale haben Apps, die ortsunabhängig und rundum die Uhr Informationen und Motivationsimpulse vermitteln können, mit denen der Nutzer helfende Angehörige, Freunde oder auch Therapeuten einbinden kann? Wie verändert sie die Therapieadhärenz, welchen Einfluss haben sie auf die Arzneimittelsicherheit, wie vereinfachen sie die Arzneimittelbelieferung?

  • Medikations-Apps bieten Unterstützungen auf vielen Ebenen: Arzneimittelinformation, Arzneimittelsicherheit, Arzneimitteladhärenz und auch die Arzneimittellogistik.
  • Viele von ihnen bieten weit mehr als nur eine Erinnung an die Einnahme von Tabletten, sie ermöglichen die Verwaltung der persönlichen Arzneimittel.
  • Die Eingabe der Arzneimittel in den digitalen Medikationsplan ist über das Einscannen der PZN-Nummern oder durch Spracheingabe des Arzneimittelnamens für den Nutzer häufig sehr einfach.
  • Informationen zum Arzneimittel sind über die digital hinterlegten Gebrauchinformationen einfach abrufbar.
  • Einige Apps geben Hinweis zu Wechselwirkungen, wenn entsprechende Arzneimittelkombinationen eingetragen werden.
  • In Symptomtagebüchern können die Nutzer bei einigen Apps auch ihre Befindlichkeit unter einer bestimmten Therapie aufzeichnen.
  • In den meisten Fällen können diese Daten auch mit Dritten geteilt werden, und könnten somit in die Therapieberatung beim Arzt einbezogen werden.
  • Auch die Belieferung von Rezepten oder der Kauf von Arzneimitteln lässt sich über Medikations-Apps mittlerweile einfach bewerkstelligen: Der Nutzer verbindet sich mit seiner Apotheke vor Ort und kann danach über eine sichere Chat-Funktion Nachrichten mit der Apotheke austauschen.

Viele Herausforderungen für Nutzer und Gesundheitsberufe

  • Die Polymedikation betrifft in der Regel ältere Menschen, für die sowohl die Suche nach einer Medikations-App als auch die Nutzung dieser Apps große Hürden darstellen.
  • Auch für die Gesundheitsberufe stellen sich vor der Empfehlung einer Medikations-Apps viele Fragen im Hinblick auf Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit der angebotenen Apps. Orientierungshilfen (z. B. HealthOn) brauchen mehr Sichtbarkeit.
  • Anwendungsfehler der Nutzer, z. B. Fehler bei der Eingabe der Dosierungen oder die falsche Einstellung von Erinnerungsmeldungen, können die Patientensicherheit gefährden. Wer haftet dafür, wenn Arzt oder Apotheker die App empfohlen haben?
  • Medikations-Apps verwalten hochsensible Gesundheitsdaten. Wie sieht es bei der Übernahme von Daten aus diesen Medikations-Apps in die Praxissoftware aus? Viele Datenschutz-, Haftungs- und Erstattungsfragen sind offen und hindern sowohl Patienten als auch Gesundheitsberufe an der Nutzung von Medikations-Apps zur Unterstützung der Therapieführung.
  • Adhärenzhilfen können nur dann ihr Potential entfalten, wenn sie dauerhaft genutzt werden. Für die meisten Gesundheits-Apps ist das bis dato die größte Herausforderung. Sie werden häufig nur wenige Tage genutzt, dann verlieren die Nutzer das Interesse. "Gute" Mediaktions-Apps müssen das Interesse der Nutzer dauerhaft wachhalten: Ohne App-Adhärenz keine Verbesserung der Therapie-Adhärenz!
Quellen & Grundlagen: 

© HealthOn, Dr. Ursula Kramer, www.healthon.de, Stand 02/2019  
Screening Medikamenten-Apps 01/2019 in Google Play. Suchbegriff: „Medikamenten-App kostenlos“. Angezeigte Suchtreffer 250 Apps. Berücksichtigt wurden insgesamt 79 deutschsprachige und kostenlose Apps, die sowohl für Patienten (n=49) als auch für Heilberufsgruppen (n=15) Informationen zu Arzneimitteln und/oder Unterstützung bei deren Verwaltung bzw. Beschaffung bieten. Apps der Versandapotheken (n=15) wurden gesondert betrachtet.
Forsa Umfarge ABDA 2015: Viele Menschen nehmen über 3 Pillen zugleich https://www.abda.de/uploads/tx_news/ABDA-Umfrage_Polymedikation_2015_Erg...
Schaeffer D, Berens EM, Vogt D: Health Literacy in the German population – results of a representative survey. Dtsch Arztebl Int 2017; 114:53-60. DOI: 10.3238/arztebl.2017.005
DiMatteo, M. R., Variations in patients adherence to medical recommendations: a quantitative review of 50 years of research. Med. Care 42 (2004) 200-209. Partridge, A. H., et al., Adherence to therapy with oral antineoplastic agents. J. Natl. Cancer Inst. 94 (2002) 652-661.

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