Diabetes-Apps: Nur Wenige erreichen Viele

  • erstellt am: 11.11.2016
  • von: ursula.kramer

Zum Weltdiabetestag die gute Nachricht vorweg: Diabetes-Apps haben sich zu Multifunktionspaketen gemausert. Sie sind Blutzuckermanager, wandelndes Diabetes-Lexikon und Motivationshelfer in einem.

  • Von durchschnittlich drei bis maximal neun verschiedene Unterstützungsfunktionen bieten sie ihren Nutzern, um das Leben mit Diabetes zu vereinfachen.

Doch nur wenige Diabetes-Apps schneiden in der Gunst der Nutzer richtig gut ab, d. h. nur sie erreichen in relevanten Ausmaß ihre Nutzer, was sich an der Höhe der erreichten Downloads erkennen lässt.

  • Die 2,4 Millionen Downloads, die die 51 deutschsprachigen, kostenlosen Diabetes-Apps derzeit zusammen erreichen, gehen auf einige wenige Apps (n=8) zurück.

Was Sorgen bereitet und das Vertrauen in die Apps schwächt, ist die Diskrepanz zwischen den vielen Berechtigungen, die die meisten Diabetes-Apps fordern, und der geringen Auskunftsbereitschaft ihrer Anbieter.

  • 80 Prozent der Diabetes-Apps fordern spezielle Berechtigungen. Fast die Hälfte (49%) mehr als sie für den Funktionsumfang benötigen, den ihre Anwender nutzen wollen.

Noch immer halten sich viele App-Anbieter sehr bedeckt mit Informationen, die ihren Nutzern eine Einschätzung der Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit erlauben

  • Obwohl 80 Prozent der Apps als digitale Tagebücher sensible Nutzerdaten aufzeichnen, informiert nur jede vierte Diabetes-App mit einer Datenschutzerklärung, ob und wie die sensiblen Gesundheitsdaten ihrer Nutzer geschützt werden.

Um Schaden durch Fehl- oder Falschinformation zu umgehen und sich vor unberechtigtem Zugriff auf persönliche Nutzerdaten zu schützen, empfiehlt es sich, Diabetes-Apps sorgfältig auszuwählen. Das können Nutzer, wenn sie verstehen, welches Risiko mit der Nutzung einer App für sie verbunden ist.

  • 57 Prozent der Diabetes-Apps zählen zur höchsten Risikoklasse 4, d. h. das potentielle Risiko dieser Apps ist für den Nutzer groß, wenn die Apps von Anbietern stammem, die nicht über die erforderliche Sachverständigkeit und die notwendige Vertrauenswürdigkeit verfügen im Umgang mit den sensiblen Nutzerdaten.

Eine Online-Checkliste kann Verbrauchern helfen, die Risikoklasse einer Diabetes-App zu berechnen. Sie hilft auch dabei, die wichtigen Angaben der Hersteller zu prüfen, die zur Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit einer App wichtig sind. Auch die unabhängigen Testberichte der 51 Diabetes-Apps können Orientierung geben und Verbraucher dabei unterstützen, eine selbstbestimmte Wahl zu treffen und sich z. B. für eine Diabetes-App mit Datenschutzerklärung zur entscheiden.

Infographiken zum Weltdiabetestag 2016

Quelle: Screening Diabetes-Apps 6/2016, HealthOn

 

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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse von mittlerweile über 10.000 Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...