Entspannungs-Apps vs Diabetes-Apps: Risiko variiert erheblich

  • erstellt am: 24.10.2016
  • von: ursula.kramer

Betrachtet man Gesundheits-Apps unter dem Blickwinkel der Sicherheit wird bei Berücksichtigung des derzeitigen App-Angebotes schnell klar, dass sich Gesundheits-Apps nicht über einen Kamm scheren lassen: Das Risiko für den Nutzer ist eng verknüpft mit den Funktionen, die eine App bietet und den Gesundheitszielen, die ein Anwender mit der App erreichen will. Es zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Diabetes-Apps und Entspannungs-Apps, wie folgende Analysen zeigen:

Entspannungs-Apps 6/2016: Unterstützungsfunktionen Entspannungs-Apps: Verteilung in RisikoklassenDiabetes-App 6/2016: Unterstützungsfunktionen Diabetes-Apps 6/2016: Aufteilung in Risikoklassen

  • Diabetes-Apps: Zwei Drittel der untersuchten 51 kostenlosen, deutschsprachigen Diabetes-Apps gehören zu den beiden Risikoklassen 3 und 4, d. h. sie bieten dem Anwender weitreichende Unterstützung. Für den Nutzer ist die Anwendung dieser Apps daher auch mit erhöhten Risiken verbunden, weshalb eine Prüfung der Vertrauenswürdigkeit anhand der Herstellerangaben bei diesen Apps besonders ratsam ist (1).
  • Entspannungs-Apps: Ganz anders zeigt sich das Bild bei Apps, die Nutzer bei seelischer oder körperlicher Entspannung unterstützen wollen. Lediglich 10 Prozent der untersuchten Apps zählen demnach zu den Risikoklassen 3 und 4. Die meisten dieser Apps holen keine Daten von den Nutzern ein, sie fragen weder Gesundheitszustand noch Lebensgewohnheiten der Nutzer ab. Das Risiko, das mit der Nutzung dieser Apps verbunden ist, ist daher vergleichsweise gering.

Je höher die Risikoklasse einer Gesundheits-App, umso höher ist in der Regel auch der potentielle Nutzen für den Anwender – vorausgesetzt die App arbeitet korrekt und schützt die Privatsphäre bzw. die personenbezogenen Daten des Nutzers. Nutzer sollten deshalb Apps mit hoher Risikoklasse besonders sorgfältig prüfen, damit sie ihr die persönlichen Gesundheitsdaten anvertrauen und sich auf die Berechnungen oder Empfehlungen der App verlassen können (s. Checkliste Gesundheits-Apps).

Das Konzept der Kategorisierung von Gesundheits-App in Risikoklassen lässt sich auf jede Gesundheits-App anwenden. Die Kategorisierung von Gesundheits-Apps in Risikoklassen und die Möglichkeit für Verbraucher, diese selbst ermitteln zu können, stärkt Verbraucher bei der selbstbestimmten Auswahl und verbessert den Schutz von App-Nutzern. Gerade Anbieter von Gesundheits-Apps mit hoher Risikoklasse sollten ihrer besonderen Verantwortung Rechnung tragen, in dem sie Nutzer möglichst umfassend, in allen sieben Kriterien gemäß HealthOn Ehrenkodex informieren. Damit erlauben sie ihren Nutzern eine Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit ihrer Apps. Das Beispiel der Diabetes-Apps zeigt, dass die Angaben der Anbieter sehr lückenhaft sind, obwohl zwei Drittel der Apps zu Risikoklasse 3 und 4 zählen.

Diabetes-Apps 6/2016: Angaben der Hersteller (%) gemäß HealthOn Ehrenkodex

  • (1) Screening Diabetes-Apps, Juni 2016. Initiative Präventionspartner, Dr. Ursula Kramer
  • (2) Screening Entspannungs-Apps, Juni 2016. Initiative Präventionspartner, Dr. Ursula Kramer
  • (3) Checkliste Gesundheits-Apps: Risikoklasse ermitteln, Herstellerangaben überprüfen.

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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse von mittlerweile über 10.000 Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...