Hilfe beim Diabetesmanagment mit Apps: Ja, aber...

  • Erstellt am: 20.02.2018
  • von: ursula.kramer

Der Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft spricht von Diabetes als sog. Datenmanagement-Krankheit und sieht daher in der Digitalisierung große Chancen gerade für die Diabetestherapie (1). Viele Daten müssen gemessen, berechnet, ausgewertet werden, um eine optimale Stoffwechseleinstellung zu erreichen. In der Regel ist der Patient bei dieser Aufgabe im Alltag auf sich selbst gestellt. Kein Wunder, dass das Interesse an Apps gerade bei Diabetikern sehr groß ist (2), dass gerade diese Patienten eine hohe Bereitschaft mitbringen, sich mit Diabetes-Apps und deren Unterstützungsmöglichkeiten zu beschäftigen. Noch verhindern viele Hürden den Einsatz von Diabetes-Apps als gemeinsames Arbeitswerkzeug von Arzt und Patient (3). Bis dato nutzen die Patienten diese Apps auf eigene Faust und zur eigenen Orientierung. Die Daten aus Tagebüchern auszulesen und sie z. B. in die Patientenakte zu überführen, ist noch immer weitgehend Zukunftsmusik.

In den letzen Jahren hat sich die Zahl der Diabetes-Apps für Patienten hierzulande deutlich erhöht und damit auch die Schwierigkeit, gute, sichere Apps auszuwählen und zu finden (4). Es gibt Checklisten, die dabei helfen, das Risiko eine App abzuschätzen und die Angaben der Hersteller systematisch zu prüfen, um Sicherheit der Daten und Unabhängigkeit und Fundiertheit der gesundheitsbezogenen Informationen einzuschätzen (5). Viele Diabetes-Apps haben keine Datenschutzerklärung und bei den Apps, die eine Datenschutzerklärung anbieten, muss der Nutzer mühsam herausfinden, ob und wenn ja, welche Daten erhoben und möglicherweise an Dritte versendet werden. Deshalb hat HealthOn in 2017 die Testberichte erweitert und legt nun auch die Ergebnisse der Datenstromanalysen offen:

  • Von den im Dezember 2017 untersuchten, deutschsprachigen Diabetes-Apps (Google Play), die als digitale Patiententagebücher genutzt werden können (76%), bietet nur jede 3. App eine Datenschutzerklärung (36%).
    • Der Großteil (78%) dieser Tagebuch-Apps erzeugt Datenströme, d. h. es werden Daten an Dritte übermittelt.
    • Von den Tagebuch-Apps mit Datenschutzerklärung zeichnen alle Apps Nutzungsdaten auf und versenden diese (100%), mehr als die Hälfte (57%) auch personenbezogene Daten.
    • Die Datenschutzerklärungen weisen Lücken auf. Über die Hälte (53%) informiert nicht über die Versendung von Nutzungsdaten, 25% nicht über die personenbezogenen Daten.
  • Auch die Tagebuchapps ohne Datenschutzerklärung (64%) versenden Daten.
    • in allen Fällen sind dies Nutzungsdaten (100%), jede Dritte versendet auch personenbezogene Daten (36%)

Wie dies geschieht, und wo die Server stehen, an die die Daten geschickt werden, hat HealthOn ebenfalls untersucht (6).

  • Bei allen untersuchten Diabetes-Apps, unabhängig ob es sich um digitale Tagebücher handelt, wurden die Datenströme analysiert. Hier vorab die wichtigsten Ergebnisse:
    • Zwei von drei versenden Nutzungsdaten (67%), die mehrheitlich unverschlüsselt verschickt werden (55%).
    • Jede vierte Diabetes-App versendet auch personenbezogene Gesundheitsdaten (24%), mehrheitlich verschlüsselt (75%), jedoch auch unverschlüsselt.

Weiter zur vollständigen Marktanalyse mit allen Testberichten der im Dezember 2017 untersuchten Diabetes-Apps. HealthOn: Marktanalyse Diabetes-Apps 12/2017

Fazit:

Diabetiker, die auf der Suche sind nach Apps zur Unterstützung des Selbstmanagements, sollten Apps meiden, die nicht darüber aufklären, ob und wie sie Daten aufzeichen und versenden.
Mit einer Checkliste - Gute Gesundheits-Apps finden. Checkliste für Verbraucher- lassen sich alle Herstellerangaben systematisch überprüfen, die zur Einschätzung der Unabhängigkeit und Fundiertheit einer Gesundheits-App wichtig sind (s. HealthOn Ehrenkodex-Kriterien).
Von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft werden derzeit fünf Apps empfohlen, die mit dem sog. DiaDigital-Siegel versehen sind, zwei davon sind Diabetes-Tagebücher (7).

Quellen:

  1. Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert künftige Bundesregierung zur Bekämpfung der Volkskrankheit Diabetes auf. 19. September 2017. Deutsche Diabetes Gesellschaft
  2. Kramer U., Zehner F. (2016). Diabetes-Management mit APPs: Derzeitige & zukünftige Nutzung, Einstellungen, Erfahrungen und Erwartungen von Betroffenen. Online-Befragung von Diabetikern. DiMAPP. Diabetologie und Stoffwechsel 2016; 11 - P118. Thieme Verlag.
  3. Kramer U. Diabetes aktuell 12/2017. Diabetes-Apps: Wie kann eine Zertifizierung konkret aussehen?
  4. HealthOn: Marktanalyse Diabetes-Apps 12/2017.
  5. Checkliste: Gute Gesundheits-Apps finden. Checkliste für Verbraucher.
  6. Datenströme von Diabetes-Apps. Infographik 1/2018
  7. DiaDigital: Apps, die das Siegel erhalten haben. Zugriff am 20.02.2018

 

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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse von mittlerweile über 10.000 Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...