Gesundheits-Apps: Konsolidiert sich der Markt?

  • erstellt am: 29.03.2019
  • von: ursula.kramer

Der Markt der Gesundheits-Apps hat sich in den letzten 10 Jahren "von unten" entwickelt. Es waren die Verbraucher und Patienten, die auf eigene Faust in den Stores nach hilfreicher Unterstützung für Gesundheitsprobleme gesucht und diesen Markt gemacht haben (1, 2). Sowohl das Angebot als auch die Nachfrage nach Apps, die als Helfer für einen gesünderen Lebensstil werben, sind besonders groß: Ernährungs-Apps, Bewegungs-Apps, Fitness-Apps (3). Viele App-Entwickler haben anfänglich vor allem in diesen Marktsegmenten ihr Glück gesucht. Nur wenige haben ihr Glück auch gefunden, sind reich geworden mit Gesundheits-Apps. Die Bereitschaft der Nutzer Geld auszugeben für Apps im Allgemeinen und für Gesundheits-Apps im Besonderen, ist nicht groß. Die meisten Apps (95.2%) können nach wie vor völlig kostenlos genutzt werden (4). "Versteckte" Bezahlmodelle - d. h. der Verkauf von Nutzerdaten - sind für die Anbieter riskanter geworden. Es drohen seit Inkrafttreten der Europäischen Datenschutzgrundverordnung drastische Geldbußen, wenn Daten der Nutzer ohne deren vorherige Zustimmung an Dritte weitergeben werden. Weil sich langfristig nur Anbieter am Markt halten können, die über solide Finanzierungsmodelle verfügen, kommen nicht nur immer wieder neue Gesundheits-Apps hinzu, sondern viele verschwinden auch wieder vom Markt. Denn auch nach der Entwicklung einer App und der Veröffentlichung in den App Stores bleibt der Aufwand hoch, Apps technisch und am Bedarf der Nutzer weiterzuentwickeln, Datenschutzauflagen zu erfüllen, Nutzern bei Fragen Support anzubieten oder Apps in vielen verschiedenen Sprachen zu übersetzen, um möglichst viele Nutzer zu erreichen. Die Finanzierungswege über sog. in-App-Käufe oder mit Werbeeinblendungen, die der Nutzer in der kostenpflichtigen Premiumversion der App abschalten kann, führen häufig nicht zum erwünschten Erfolg. Denn landet eine App nicht auf den vorderen Plätzen in den Trefferlisten, ist die Wahrscheinlichkeit gering, gefunden zu werden.

Entwicklungen im Marktsegment "Raucher-Apps"

Entwicklungen im Marktsegment "Raucher-Apps"

Anders als im Markt der Ernährungs-Apps schaltet derzeit keine der deutschsprachigen Raucher-Apps Werbung in Google Play, um auf einem der ersten Plätze der Trefferlisten angezeigt zu werden und die Nutzernachfrage zu steigern. Vermutlich fehlt das Marketingbudget.
Bei der vergleichenden Analyse der Raucher-Apps für deutschsprachige Nutzer zeigt sich im Zeitraum von 12 Monaten folgendes Bild (HealthOn Marktanalyse Raucher-Apps 3/2019):

  • Das Angebot der Raucher-Apps (deutsche Sprache, kostenlos, Google Play) hat sich um ein Viertel reduziert.
  • Die Nachfrage - Summe der Downloads aller Raucher-Apps - hat sich im selben Zeitraum deutlich erhöht von ca. 5 auf mehr als 7 Mio. Downloads.
  • Weil die Anzahl der Apps zurückgegangen ist, sind die durchschnittlichen Downloads pro App stark angestiegen, sie haben sich fast verdoppelt.
  • Die Nachfrage konzentriert sich sehr stark auf die sog. Top-10 Raucher-Apps. Auf sie entfallen ca. 85 % aller Downloads.
  • Im Ranking der Raucher-Apps hat sich an der Spitze der 10 beliebtesten Raucher-Apps nicht viel getan. Lediglich eine App hat es als Newcomer von Platz 35 in die Top-10 geschafft. 

Fazit: Der Markt der Raucher-Apps konsolidiert sich, d. h. die Platzhirsche machen sich breit. Für neue Apps wird es schwer, sich einen der vorderen Plätze zu erobern. Die Nutzerbeliebtheit sagt nichts über die Qualität des Unterstützungsansatzes aus wissenschaftlicher Sicht aus (5). Umgekehrt braucht eine App, die Nutzen schaffen will, Sichtbarkeit und Akzeptanz bei den Nutzern, die sich von der App angesprochen fühlen und in der Lage sind, diese App zu verstehen und sie als Hilfe, z. B. bei der Rauchentwöhnung, anzuwenden.

  1. GAPP Studie: Hohe Erwartungen an und Offenheit für Gesundheits-Apps. November 2014
  2. GAPP2 Studie, Juli 2017 Ergebnisbericht
  3. Gesundheits-Apps: Wo ist das Interesse am größten? März 2018
  4. App statistics Appbrain.com March 31.Free vs. paid Android apps
  5. S3-Leitlinie Tabaksucht: Schneller Zugang zur Beratung - was können Apps? Feburar 2015

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Dr. Ursula Kramer - Die Ap(p)othekerin bloggt auf HealthOn

Die Bloggerin

Die Vision eines gerechten, patientenorientierten Gesundheitssystems treibt die Ap(p)othekerin Dr. Ursula Kramer an. Digitalisierung sieht sie als Möglichkeit, diesem Ziel näher zu kommen. Seit 2011 testet sie Qualität, Sicherheit und Anwenderfreundlichkeit von Gesundheits-Apps. Sie will Transparenz schaffen und digitale Gesundheitskompetenz fördern. Sie teilt die Erfahrung aus der Analyse vieler tausender Gesundheits-Apps in Blogbeiträgen, Vorträgen und Publikationen. Mehr...